Der Umbau des Radiostudios Bern ist fertig, neue Farben zieren die Innenräume. Ein dunkles Violett findet dabei wenig Anklang: Schier pausenlos wird über den „Blut-wurst”-Farbton und den Architekten gelästert. Als dieser an einem Studio-Anlass zu dem Farbkonzept Red und Antwort stand, liess sich das motzfreudige Personal so gut wie gar nicht blicken. Es ist halt wie beim Fussball: Da ist jeder ein Experte.
Für die Wahl zum SRG-Generaldirektor ist, quasi als Lex Filippo Leutenegger (57), eine Alterslimite von 55 Jahren definiert worden. Gilt diese nun auch für den neuen Superdirektor von Radio und TV, ist der derzeitige Kronfavorit bereits weg vom Fenster: Ruedi Matter, Chefredaktor bei SR DRS, wird im Wahljahr 56-jährig.
Das Magazin „Hochparterre” hat den Award für Qualitätsförderung vom Verein Qualität im Journalismus erhalten. Chefredaktor Köbi Gantenbein stellte an der Award-Vergabe sein Heft dann singend vor – mit der Melodie der Marseillaise: Das Qualitätskonzept basiere auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Eine spezielle Sparmassnahme hat sich Radio DRS einfallen lassen: Die traditionellen Taschenagenden werden als Umschlag mit Logo, aber ohne Jahreszahl abgegeben. So muss man sie Ende Jahr nicht fortwerfen – falls das Logo nicht geändert wird! Aber den Inhalt, die Agenda, muss sich jeder in der Papeterie selbst beschaffen.
Die Bildpointe des Monats lieferte Ueli Haldimann bei seinem Vortrag zum UBI-Jubiläum: Er sprach vom „Rattenfänger von Hameln” – und blendete das Bild des ehemaligen deutschen Finanzministers Peer Steinbrück ein. Der sollte eigentlich erst beim Stichwort „Indianer” erscheinen.Bei der Verabschiedung von Radiodirektor Walter Rüegg im Studio Bern wurden in den Reden Nägel gesetzt: Der Berner Stapi Alexander Tschäppet warnte, Konvergenz dürfe nicht Synonym zu Zürich werden, und Rüegg warnte davor, die Programmvielfalt der Betriebswirtschaft zu opfern. Am meisten Applaus gab es für eine Cabaret-Nummer von Michael Elsener, Redaktor beim Regionaljournal Luzern. Neben vielen Medienleuten persiflierte er auch den Radio-Mann Casper Selg perfekt: „Die Echo-Schlagzeilen: Fünf Jahre Springbrunnen auf dem Bundesplatz – wir sprechen mit dem Experten aus Deutschland, Oskar Lafontaine.” Die sich häufenden Sitzungen bei Radio und TV der SRG zum Thema Konvergenz bringen beim Getratsche in den Studiocafés neue Wortschöpfungen hervor: „Konvergit” und „Trimedialist”.
„Radio für Erwachsene”: Mit diesem Slogan wurden in Zürich und Basel neue Radiokonzessionen erstritten. Von Leuten, die schon in den Urzeiten des Privatradios dabei waren: Christian Heeb (ex „Basilisk”, nun „Radio Basel”) und Roger Schawinski (ex „Radio 24”, nun „Radio 1”). Vor allem Heeb hat zahlreiche ehemalige Weggenossen zurück ans Mikrofon geholt – zum Teil aus dem Ruhestand: Christoph Klein, Peter Küng, Nick Schulz und Franz C. Widmer machen wieder munter Radio... für Ergraute?
© EDITO 2009
|