Jetzt zeigen Amazon und Sony den Verlegern, wo die Zukunft der Zeitung liegt: Auf neuen Lesegeräten mit Mobilfunkanbindung. Von Peter Sennhauser
Mit dem Bildschirm, auf dem ich täglich die „New York Times”, das „Wall Street Journal” und den „San Francisco Chronicle” lese, könnte ich problemlos eine Wespe erschlagen. Das ist ein Fanal: Vor genau zehn Jahren hat Medienminister Moritz Leuenberger die Schweizer Verleger mit dem ausgeliehenen Spruch getröstet, dass es gedruckte Zeitungen geben werde, solange man mit einem Bildschirm keine Wespe erschlagen könne. Ich kann dank des taschenbuchgrossen E-Ink-Lesegeräts „Kindle” auch im Bus, im Park und, zugegeben, auf dem Klo den „New Yorker” und den „Economist” lesen. Ich kann Artikel „ausreissen”, Notizen einfügen und jedes Wort per Knopfdruck im „New Oxford American Dictionary” nachschlagen. Auf das sinnliche Rascheln der Papierseiten verzichte ich dafür gern.
Keine Anzeige stört. Zugleich liest sich das E-Book-Lesegerät „Kindle” (sprich „kindel”, engl. „entzünden”) des Online-Buchhändlers Amazon auch in praller Sonne wie bedrucktes Papier – denn die Display-Technologie „E-Ink” simuliert dieses nahezu perfekt. Zeitungen gelangen ohne mein Zutun jede Nacht via Mobilfunk auf den „Kindle”. Ein Abo kostet einen Bruchteil der Druckausgabe in Frühzustellung – im Fall der New York Times rund 14 statt 50 Dollar pro Monat. Und: Mein Lesegenuss wird von keiner einzigen Anzeige gestört. So, wie Apple mit iTunes die Musikindustrie auf dem Weg in die Online-Zukunft überholt hat, so zeigt Amazon den Verlegern, wo die Zukunft der Zeitung liegt. Und diktiert die Preise: Gerüchteweise kassiert Amazon 70 Prozent der Einnahmen aller 46 Periodika im „Kindle”-Angebot. Die NYT liefert mir also 30 Ausgaben für 4 Dollar pro Monat – und macht keinen Cent Werbeeinnahmen. Warum sollten sich die Verleger dennoch auf das Modell und die Marktdominanz von Amazon (und Sony mit dem fast identischen „Daily Edition Reader”) einlassen? Weil es nach bisherigem Erkenntnisstand die einzige Chance ist, die Zeitung in die papierlose Zukunft zu retten: Im offenen Internet werden sich Bezahlmodelle auch für hochwertige Inhalte niemals durchsetzen; Lesegeräte wie der „Kindle” aber bieten der Leserschaft fast alle Vorzüge eines Papierprodukts und einiges mehr; für die Verlage ersetzen sie als geschlossenes System das weggebrochene Monopol der Druckerpresse.
Sparen und amortisieren. Das wichtigste Argument aber lautet: Das Modell stösst nachweislich auf Akzeptanz in der Leserschaft. Der Anteil der elektronischen Verkäufe bei Büchern, die in beiden Formaten vorliegen, macht bei Amazon bereits 35 Prozent aus. Auch reine Zeitungsleser profitieren: Die Einsparung für meine vier Zeitungsabos hat mir den Kaufpreis für das Lesegerät binnen zweier Monate amortisiert. Mit andern Worten: Gerätesubventionierung gegen Abovertrag à la Telekom-Branche würde sich auch für Zeitungsverlage bezahlt machen; die NYT prüft diese Idee in Regionen, wo sie keine Frühzustellung anbieten kann. Auf Werbung muss dabei langfristig nicht verzichtet werden – wenn die Verleger Amazon schnell das Heft aus der Hand nehmen. Das hätten sie schon vor zehn Jahren tun können. Damals geisterte ein Prototyp von IBM für ein System durch die Expertenpresse, das dem „Kindle” gleicht wie ein Ei dem andern.
Surfbrett E-Mail, aber richtig WER GEHÖRT WERDEN WILL, MUSS REGELN BEACHTEN E-Mail ist die älteste Online-Kommunikationsform – und noch immer die wichtigste. Das Internet hat sich dramatisch verändert; mangelnde Sorgfalt kann heute dazu führen, dass eine Mail nicht gelesen oder gar nie zugestellt wird. Die fünf wichtigsten Regeln: > Keine wichtige, am besten überhaupt keine Mail mit Textformatierungen (im Format „Rich-Text” oder HTML) verschicken, sondern ausschliesslich als „Nur Text”: Formatierungen und Links sind ein Merkmal von Spam und betrügerischen Phishing-Mails und erhöhen das Risiko, dass die Mail ausgefiltert wird. > Anhänge und Dateien im Mail-Text nicht nur erwähnen, sondern kurz beschreiben: Immer mehr Empfänger lesen ihre Post unterwegs und sind nicht gewillt, Anhänge sofort aufs Handy herunterzuladen. Sie sollen selber entscheiden können, ob das Dokument den unverzüglichen Download trotz teurer Roaming-Gebühren nötig macht. > Antworten auf Mails mit dem gleichen Thema immer mit dem „Antworten”-Knopf abschicken. Aber keine neuen Diskussionen anfangen. > Eine neue Anfrage an einen bestehenden Kontakt immer mit einer leeren Mail beginnen, nicht mit dem „Antworten”-Knopf und dem Austauschen der Betreffzeile: Mailprogramme ordnen zusammengehörende E-Mails nicht nach der Betreffzeile, sondern nach einer versteckten Nummer im Header der Mail. > Der Klassiker: Mehrere Adressaten nie in die „An:”-Zeile setzen. In die „CC:”-Zeile gehören sie auch nur dann, wenn sich alle Adressaten kennen und wissen sollen, wer eine Kopie erhalten hat. Bei Massenversänden gehört die eigene Mailadresse sowohl ins „Von” als auch ins „An:” - und alle andern ins „BCC:”-Feld. Ein anderes Vorgehen ist ein Vertrauensbruch.
Peter Sennhauser ist Chefredaktor von www.blogwer
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