Von Philipp Cueni
Am Verlegerkongress des Verbandes „Schweizer Presse” kann jedes Jahr der Puls der Branche gefühlt werden. Erst recht interessiert das in der Zeit der Medienkrise. Das Votum der Tagung kam von Michael Ringier: „Niemand weiss, wie es in zehn Jahren weitergeht.” Die Strategie müsse deshalb weiterhin via „try and error” definiert werden. Das beschreibt genau die derzeitige Situation der Schweizer Presse.
Die Einschätzungen und Strategien der Verleger sind tatsächlich sehr unterschiedlich. Für Ringier beispielsweise müssen die Medienhäuser „in allen Medien präsent sein”, in den gedruckten genau so wie in den elektronischen. Für den Tamedia-Verleger Pietro Supino hingegen gehören Radio und Fernsehen nicht zum Kerngeschäft seines Konzerns, er schätzt das Printmodell als funktionierendes Geschäftsmodell ein. Und Kurt W. Zimmermann wiederum, Medienjournalist und Verleger, sieht die Geschäftsmodelle der Verlage durch die Gratisangebote gefährdet. Ringier und Tamedia halten an diesen Gratisangeboten fest, während die NZZ über Preiserhöhungen nachdenkt und über zahlungspflichtige Angebote im Internet.
Ebenso uneinig sind sich die Verleger in der Frage, ob und wie viel Hilfe oder Erleichterung sie vom Staat direkt oder indirekt verlangen sollen. Auch über mögliche Kooperationen mit dem Service public der SRG gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Sogar das Geschäftsmodell „Sparen” wird bezweifelt.
Viele Widersprüche also. Sie ermöglichen immerhin eine lebendige Debatte. Niemand behauptet, es gäbe Patentrezepte gegen die Krise. Aber bei so viel strategischer Orientierungslosigkeit wirken die lauten Vorwürfe an den Staat oder an die SRG SSR, welche für die Verlagskrise mitschuldig sein sollen, schon ziemlich kurios.
Die zentralen Fragen sind von den Verlagshäusern noch unbeantwortet: Wie können jene journalistischen und publizistischen Leistungen, jene mediale Versorgung, welche für die demokratische Debatte und Kontrolle in der Schweiz unabdingbar sind, in diesem kleinen Markt der (Deutsch-)Schweiz gesichert werden? Mit welchen publizistischen Qualitäten sollen die Leserschaft und damit auch das Interesse der Inserenten – zurückgewonnen werden? Wie soll das trotz der 400 bis 500 weggesparten Journalistenstellen realisiert werden? Und welche Chancen bieten dabei Kooperationen? Dazu war am Verlegerkongress kaum etwas zu hören – und vor allem keine klare Strategie des Verbandes zu erkennen.
© EDITO 2009
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