Die „Basler Zeitung" tritt ihren Anteil an „News“ an die Tamedia ab. Steht bald noch mehr zum Verkauf?
Die Pendlerzeitung „News“ erscheint in Basel und Bern nicht mehr, sondern nur noch im Raum Zürich. Die veräusserte Beteiligung der BaZ an der Gratiszeitung dürfte allerdings kaum einen wirklichen Wert besitzen. Im Gegenteil: Dem Vernehmen nach muss die Tamedia die bisher aufgelaufenen Verluste jetzt selber tragen. Das Szenario eines vorzeitigen Ausstiegs eines Partners war im Vertrag offenbar zu wenig klar geregelt.
Die BaZ redimensioniert konsequent: Abbau von über 100 Stellen im Konzern, Verkauf von Radio Basel 1, Ausstieg bei „News“, Reduktion der Online-Aktivitäten, Rückbau des „Baslerstabs” auf ein nur noch zweimal wöchentlich erscheinendes, reines Anzeigenblatt ... Trotzdem bleibt die BaZ in der Defensive: Das zeigt nicht nur die bevorstehende Aufgabe des „baz-kulturmagazins” als eigenständiges Heft.
Partner gesucht. Zum Verkauf steht die 37-Prozent-Beiteiligung der Publicitas an der „Basler Zeitung”. Aber wer zahlt derzeit einen guten Preis für eine Minderheitsbeteiligung an einem schwächelnden Verlag? Also muss die BaZ eine mindestens gleichwertige Partnerschaft eingehen oder schlimmstenfalls sogar die Mehrheit des Familienunternehmens verkaufen.
Bei der Tamedia lässt sich beobachten, wie in Bern der „Bund” zum kleinen „Tagi” wird – eine Lösung, die in Basel kaum auf Akzeptanz stossen würde. Eine engere Zusammenarbeit mit der „AZ-Medien” von Peter Wanner gilt wieder als Option. Die herzhafte Feindschaft zwischen Hagemann und Wanner scheint überwunden. Ob eine Kooperation von zwei Unternehmen in der Defensive strategisch erfolgreich wäre, ist jedoch fraglich. Stets genannt wird auch die NZZ als mögliche BaZ-Partnerin. Aber will sich der Zürcher Verlag tatsächlich mit einer weiteren Regionalzeitung belasten? Und Springer oder die „Badische Zeitung” aus Deutschland: schwer vorstellbar, wo da Synergien gewonnen werden könnten, ohne dass die Basler das Gefühl erhielten, ihre „Basler Zeitung” sei jetzt eine „Deutsche Zeitung”.
Bleibt noch die Luxus-Lösung: eine Investorengruppe, welche eine eigenständige „Basler Zeitung” sichern will, sich aber nicht in die redaktionelle Ausrichtung einmischt. Man darf am Rheinknie noch etwas träumen – oder muss sich Sorgen machen.
Philipp Cueni
© EDITO 2009
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