Das Medien-Monopoly

Die Konzentration der Besitzverhältnisse im Mediensektor schreitet voran. Die Zeit der regionalen Verlagshäuser scheint vorbei.

Edipresse war in der Romandie der dominierende Grossverlag. Jetzt ist er übernommen worden von Tamedia aus Zürich. Gedroht habe auch ein Verkauf an Hersant, einen Mediengiganten aus Frankreich. Beim grössten Schweizer Medienhaus, Ringier, reissen die Gerüchte nicht ab, er könnte durch den Deutschen Springer-Verlag übernommen werden. Und – nicht neu – werden Verlagshäusern in der Grösse der Basler Zeitung Medien schlechte Prognosen für eine unabhängige Zukunft gestellt.

Das Medien-Monopoly läuft. Vier grosse Medienhäuser haben sich etabliert: Ringier und Axel Springer Schweiz im überregionalen Bereich, Tamedia mit Zürich, Thurgau/Winterthur, Bern und der Westschweiz, die NZZ-Gruppe mit Zürich, Luzern und St. Gallen. Die Mittellandzeitung (AZ Mediengruppe) hat nach der „Basellandschaftlichen Zeitung” jetzt auch die „Solothurner Zeitung” übernommen und ihr Stammgebiet weiter arrondiert. Allerdings bleibt offen, ob die AZ-Mediengruppe damit genügend Grösse hat, um selbständig bleiben zu können. In der Deutschschweiz sind die „Basler Zeitung”, die „Südostschweiz” in Chur, das Medienhaus Gassmann in Biel und die „Schaffhauser Nachrichten” bisher selbständig. Das Beispiel „Südostschweiz” zeigt, dass Grösse allein nicht der Massstab fürs Überleben sein kann: Dem Unternehmen scheint es gut zu gehen, auch wenn keine Kooperationen und keine geografische Ausweitung absehbar sind. Nicht zu vergessen: die Verlage haben in den letzten Jahren die meisten privaten Radio- und Fernsehstationen übernommen.
Die Konzentration der Verlage nimmt zu, die einzelnen Titel bleiben vorerst meist bestehen – auch wenn zum Teil mit redaktionellen Kooperationen. Hat bisher aber nicht gerade die Verlagsvielfalt die Schweizer Medienlandschaft geprägt? Welche demokratie-politischen, welche publizistischen Auswirkungen hat also die Konzentration der Besitzverhältnisse? Um in Qualität investieren, um lokale wie internationale Themen abdecken und multimediale Leistungen anbieten zu können, brauche es eine bestimmte Grösse, argumentiert ein Teil der Verleger. Wenn sich in der Schweiz starke Medienhäuser aus der eigenen Tradition entwickeln, ist das besser, als wenn Schweizer Medienhäuser an ausländische Besitzer verkaufen müssen, sagen andere. Dem widerspricht Christian Mensch in der „Basler Zeitung”: „Eine Illusion ist es zu meinen, die Logik der ange-stossenen Medienkonzentration werde an der Landesgrenze halt machen.”

Tradition in Gefahr. Die Frage stellt sich, ob mit der Konzentration der Medienunternehmen in der Schweiz auch die Kultur der familiär und/oder regional verankerten Verlegerdynastien verloren geht, welche sich einer publizistischen Idee, einer Region, dem demokratischen Diskurs verpflichtet fühlten. Können gros-se Medienhäuser solche Traditionen bewahren oder werden sie automatisch von der Logik der industriellen Gewinnmaximierung eingeholt?

Philipp Cueni

© EDITO 2009



(C) 2006 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken