Von Philipp Cueni
Der Blocher-Clan hatte entgegen allen Dementis das ganze letzte Jahr über die BaZ unter Kontrolle. Das hatten viele vermutet. Und trotzdem ist man irgendwie betroffen, wenn man jetzt schwarz auf weiss erfährt, dass es wirklich so ist, dass es Tettamanti, Blocher, Somm und Suter so leicht fiel, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen.
Neu ist, dass sogar der bürgerliche Unternehmer Moritz Suter für den SVP-Politiker ein Störfaktor war, um die Zeitung nach den Bedürfnissen von Blocher und Co. herzurichten. Inzwischen hat die Blocher-Familie Verleger und "Besitzer" Moritz Suter zum Verkauf gezwungen und dann selbst bestimmt, wer der neue Besitzer des Basler Medienunternehmens sein soll: Es ist ein Konsortium von Politikern aus SVP und Rechtsfreisinn, aus dem Dunstkreis von Marcel Ospel (EX-UBS-Präsident) und der ultraliberalen Kreise um Robert Nef (Liberales Institut). Chefredaktor bleibt der Blocher-Intimus Markus Somm. Finanziell orchestriert wird das Ganze wie schon einmal bei der BaZ und wie schon bei der "Weltwoche" von Tito Tettamanti. Und die Verlegerfunktion wird FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger übernehmen, der kürzlich gegen die Empfehlung der eigenen Partei Christoph Blocher als Ständeratskandidat unterstützt hatte. Offenbar erwartet man von ihm noch weniger Eigenständigkeit als von Moritz Suter.
Damit ist der politische und ideologische Hintergrund der BaZ-Besitzer wenigstens klar und offen deklariert.
Es ist also genau jenes Szenario eingetroffen, welches Schwarzmaler und Verschwörungsspezialisten vor über einem Jahr prophezeit hatten: Blocher und Co. haben aus der BaZ eine Zeitung mit rechtsnationalem Hintergrund gemacht. Moritz Suter hatte vor einem Jahr versprochen dafür zu sorgen, dass in der Zeitung ein breiter publizistischer Kurs gefahren werde. Offenbar ist er damit gescheitert, auch bei Chefredaktor Markus Somm. Warum sich die immer stärkere Rechtstendenz und Einseitigkeit im redaktionellen Teil der BaZ jetzt relativieren soll, dafür gibt es keine Anzeichen. Im Gegenteil. Der Frust in der Redaktion wächst. Offenbar hat jetzt zum Beispiel auch der sehr besonnene ehemalige Auslandchef, Willy Herzig, gekündigt.
Und wie geht es weiter? Haben weiter die Schwarzmaler Recht, welche sagen, es ginge Blocher und Co. gar nicht um Basel, sondern um den Aufbau einer rechtsnationalen Tageszeitung für die ganze Schweiz? Wie verhalten sich die Baslerinnen und Basler gegenüber ihrer traditionellen Tageszeitung? Und versucht ein anderer Verlag, in die publizistische Lücke zu springen und ihr Basler Engagement so auszubauen, dass eine echte Alternative zur BaZ angeboten wird?
Ironischerweise nennt sich die neue Besitzerin der BaZ „Medienvielfalt Holding AG“ – mit Sitz in Zug und einer bereits sichtbaren Strategie für die ganze Schweiz. Bei aller Sorge um die Konzentration des Medienbesitzes in der Schweiz: Was sich hier als unabhängige Alternative gegen die grossen Medienhhäuser anbietet, ist reiner Hohn. Was man bei der „Medienvielfalt Holding AG“ unter Vielfalt versteht, zeigt sich an der Besetzung der beiden Verwaltungsräte: alles Personen mit einem politischen und nicht mit einem publizistischen Auftrag. Und aus dem breiten Spektrum links von der ganz rechten FDP hat es gar niemand.
15.12.11 / © EDITO+KLARTEXT
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