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Von Philipp Cueni

Bei der BaZ rumort es weiter. Das zeigt auch der Abgang von Urs Buess, dem bisherigen stellvertretenden Chefredaktor. Buess war DIE Integrationsfigur in der Redaktion, und er galt bei einem Teil der Leserschaft als Garant für eine Zeitung, die nicht allein vom Kurs des Chefredaktors Markus Somm geprägt ist. Sein Abgang ist nur ein Ausdruck für die, wie viele seiner Kollegen bestätigen, miserable Stimmung in der Redaktion. Der Graben zwischen Chefredaktion und Team sei „abgrundtief”, hört man von Mitarbeitenden. Das war nicht immer so. Obwohl Somm klar rechts neben der grossen Redaktionsmehrheit politisiert, stiess er als Chefredaktor zuerst auf erstaunlich viel Goodwill. Das ist vorbei: Er führe schlecht, sei nicht wirklich diskussionsbereit, selten in der Redaktion anwesend, handle chaotisch. Zwar nervt er politisch viele seiner Redaktionskollegen. Aber Sorge machen sich diese vor allem, weil sie befürchten, Somm fahre die BaZ an die Wand. Einige haben resigniert oder machen ihre Arbeit ohne Feuer, andere sind gegangen (worden) oder suchen eine Stelle, und einige wenige kämpfen mit und gegen Somm. Lediglich eine kleine Gruppe stützt den Kurs des Chefredaktors.
Immerhin hat es Somm geschafft, sich in jenen Basler Netzwerken zu verankern, welche ihm politisch wohlgesinnt sind. So ist er vom SVP-Politiker Karl Schweizer an der Basler Fasnacht herumgeführt worden und dort auch mit den SVP-Spitzen Toni Brunner und Christoph Blocher zusammengetroffen. Ob er damit in Basel sein Image als Chefredaktor stärken kann, sei dahingestellt. Sicher ist, dass das Unbehagen über den publizistischen Kurs der „Basler Zeitung” unter Somm weit über das links-grüne Lager hinaus geht.

Probleme ohne Ende. Der Verleger Moritz Suter stellt sich hinter seinen Chefredaktor. Aber vor Suter türmen sich die Probleme: Buess ist weg, das Wirtschaftsressort seit Langem ohne Leitung, der Chefredaktor im Team isoliert, profilierte Redaktoren auf dem Absprung, das Redaktionsklima schlecht. Somm hat es nicht geschafft, die Skeptiker in der Leserschaft zu gewinnen und die BaZ in Basel zu verankern – im Gegenteil. Die unklaren Besitzverhältnisse bei der BaZ schaden dem Image der Zeitung. Einen Verwaltungsrat für die Basler Zeitung Medien (BZM) konnte Suter noch nicht zusammenstellen. Und auch wirtschaftlich sieht man bisher keine Anzeichen, wie das Unternehmen stabilisiert werden soll.
Es scheint, als sei es Suter nicht mehr so wohl. Er gilt als ehrlicher Mensch. Gegenüber der Leserschaft ist er mit einem klaren Versprechen angetreten: Er wolle eine Zeitung garantieren, die in Basler Händen sei, die eine breite Leserschaft ansprechen wolle, meinungspluralistisch, eine Zeitung, mit der sich ganz Basel identifizieren könne. Von diesen Zielen ist Suter weit entfernt. Gut möglich, dass er den Einfluss der Geldgeber im Hintergrund unterschätzt hat und weniger Handlungsspielraum hat, als nötig wäre. Offenbar ist auch sein Vorgänger Martin Wagner daran gescheitert.

Das Versprechen. Man sagt, Suter habe eine gute Nase, wann er die Bremse ziehen müsse. Suter hat die Chance, in Basel wie damals bei der Crossair-Geschichte als Held dazustehen – wenn er sich von Somm und den anonymen Geldgebern im Hintergrund trennt und die „Basler Zeitung” wieder zu einer in Basel getragenen Regionalzeitung macht. So, wie er es eigentlich versprochen hatte. Macht er das nicht, entscheidet er sich für ein rechtsbürgerliches Blatt, das weder in Basel breit verankert noch das erhoffte Sprachrohr der Rheinstadt in der Schweiz sein wird.

© EDITO+KLARTEXT 2011