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StartseiteArchivEDITO+KLARTEXT 02/11EDITO+KLARTEXT 02/11 D

Die grossen Medienunternehmen haben ihre Jahresbilanzen präsentiert: 151 Millionen Franken Gewinn bei Tamedia, 62 Millionen Gewinn (nach Steuern) bei Ringier, 47 Millionen Gewinn bei der NZZ, 33 Millionen Gewinn bei der Publigroupe, und der SRG-Verlust ist 62 Millionen kleiner als prognostiziert. Das sind die Zahlen für 2010. Die Periode der massiven Verluste scheint doch kürzer gewesen zu sein als vorausgesagt. Und damit es noch einmal gesagt ist: Auch 2010 ist in den grossen Verlagshäusern Personal abgebaut, sind Kolleginnen und Kollegen entlassen worden.

An den Bilanzmedienkonferenzen der grossen Medienunternehmen lassen sich einige interessante Trends heraushören.

> Ringier will in grösserem Stil ins Fernsehgeschäft einsteigen. Tamedia stösst sowohl ihre Radio- wie auch die Fernsehstationen ab und konzentriert sich – neben Internet – auf den Printbereich. Damit wird die Landschaft der Privatradios und Privatfernsehen völlig neu geordnet werden.

> Zumindest Tamedia verabschiedet sich von der Konvergenz-Strategie, verschiedene Mediengattungen näher zusammenzuführen. Nicht mehr alle grösseren Medienhäuser sehen eine Notwendigkeit, sich in allen Mediengenres – Print, Radio, TV, Online – zu engagieren.

> Die Verlage definieren ihre Rentabilitätsziele unterschiedlich. Tamedia strebt eine durchschnittliche Rendite von 15 bis 20 Prozent an, Ringier zum Beispiel eine Marge von 8 Prozent.

> Die Internetstrategie ist bei vielen Medienhäusern weiterhin vage. Was soll gratis angeboten werden, was als bezahlter Dienst? Und welches sind die publizistischen Ziele? Aber alle Medienhäuser versprechen sich viel vom Internetgeschäft. Deshalb fordern die Verleger von der SRG vehement, sich online massiv zu beschränken. Auch wenn das nicht allen Verlagshäusern gleich wichtig zu sein scheint.

Ein Credo legen alle Medienhäuser immer wieder ab: Nur mit Journalismus von hoher Qualität, mit Journalismus, der sich auch an schwierige Stoffe wagt, wird man erfolgreich sein. Man nimmt dieses Bekenntnis den Verlegern und Direktoren der Medienhäuser noch so gerne ab. Und hofft auf entsprechende Investitionen. Jetzt, wo die Zahlen wieder stimmen, ist die Zeit da, den Tatbeweis zu erbringen.

© EDITO+KLARTEXT 2011