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„Medienqualität durchsetzen”. Die Adressaten für diese Aufforderung sind alle Journalistinnen und Journalisten. Also kein „Durchsetzen” im Sinne des Verordnens von oben nach unten und auch kein Abschieben der Qualitätsverantwortung auf die Hierarchie. Im Gegenteil: „Die Qualität soll man nicht den Bossen überlassen”, kommentierte der Medienwissenschafter Stephan Russ-Mohl an der Buchvernissage. Und Autor Vinzenz Wyss ergänzt: „Ohne Druck und Engagement für die Qualität von unten kann keine Qualität entstehen. Deshalb ist es wichtig, dass alle Journalisten die Qualitäts-Instrumente kennen.”
Das Buch zeigt anschaulich auf, mit welchen Massnahmen und Strukturen Qualität erzielt werden kann. Natürlich ist das auch ein Appell an die Unternehmens- und Redaktionsleitungen, für die notwendigen Rahmenbedingungen zu sorgen. Aber das Buch bringt auch dem einzelnen Journalisten viel für die Praxis im Alltag – und das erst noch gut aufbereitet. Die Herkunft der Autoren, Medienwissenschaft (Vinzenz Wyss), Praxis (Peter Studer) und Ausbildung (Toni Zwyssig) hat zu einer fundierten Anschaulichkeit geführt: Es wird an Beispielen erzählt, Tipps und Checklisten fassen zusammen, und die theoretische Einbettung kommt nicht zu kurz.
Ein gutes Beispiel ist das Kapitel zum „Aussagewunsch”. An Radio und Fernsehen erläutert, zeigen die Autoren, wie das Instrument „Aussagewunsch” hilft, ein Thema zu fokussieren und umzusetzen. Weitere handwerkliche Tipps besprechen zum Beispiel die „qualitätsorientierte Recherche” oder das „fact checking”.
Auf der Ebene der Strukturen zeigt das Buch alle jene professionellen Instrumente auf, welche die Journalisten einfordern und die Redaktionsleitungen einrichten sollten („systematisches Qualitätsmanagement”): von der Redaktionskonferenz über die Planung, die Kontrollprozesse bis zu Gegenlesen/Abnahme, Feedback, Blatt- und Sendekritik. Und auch Grundlagen wie publizistische Leitlinien sowie rechtliche und ethische Standards fehlen nicht.
„Qualität zu definieren ist wie ein Pudding an die Wand zu ­nageln”, lautet ein alter Spruch. Nein, sagen die Autoren, ­Qualität lässt sich konkret fassen.

PS: Die 5 Zeilen zu „EDITO+KLARTEXT” im Anhang des ­Buches sind ziemlich ungenau. Auch Qualitätssicherer lernen nie aus. (phc)

Vinzenz Wyss, Peter Studer, Toni Zwyssig, „Medienqualität durchsetzen. Qualitätssicherung in den Redaktionen, ein Leitfaden”. Orell Füssli, Zürich 2012. Webblog zum Buch: www.mqa.ch/medienqualitaet

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