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Bei der „Basler Zeitung” stehen 37 Prozent zum Verkauf. Wer besetzt das nächste Feld im Medienmonopoly? Vieles deutet auf die NZZ.
Von Philipp Cueni

Das Marktfeld erweitern, Unternehmen erwerben, Partnerschaften eingehen, Synergien nutzen: Darum geht es bei der Entwicklung zu Grossverlagen in der Schweiz. Neben den Verlagsriesen Tamedia, Ringier und NZZ sind im Bereich der mittelgrossen Tageszeitungen die „Basler Zeitung”, die „Südostschweiz” und die „Mittellandzeitung” (MZ) übrig geblieben. Bei der BaZ stehen 37 Prozent der Besitzanteile zum Verkauf, welche bisher der Publicitas gehören. Die „P” will diesen Anteil verkaufen, über ein Vorkaufsrecht entscheidet aber faktisch die Verlegerfamilie Hagemann, an wen verkauft wird. Verleger Matthias Hagemann sagt, er prüfe alle möglichen Optionen im In- und Ausland.

Eine umworbene Braut. Wer wollte nicht versuchen, im Medienmonopoly Schweiz das nächste Feld zu besetzen? Und das heisst nicht „Bergbahnen” wie im Spiel, sondern „Nordwestschweiz” – der zweitstärkste Wirtschaftsraum mit dem Zentrum Basel. Die „Basler Zeitung” ist umworben.
Soweit die Fakten. Niemand im Verlagsbereich, der potent genug ist, wird es sich entgehen lassen, Anteile der BaZ zu kaufen. Spannend ist, wer das sein wird. Denn es hat für die ganze Verlagslandschaft in der Schweiz Auswirkungen und wird das Monopoly-Spiel nicht nur beschleunigen, sondern die Situation der Konkurrenten nochmals neu definieren.
Wohin also orientiert sich die BaZ? Dazu gibt es lediglich Gerüchte. Und das ist keine journalistische Basis. Immerhin gibt es verdichtete Gerüchte, und dazu auch einige konkrete Hinweise, die BaZ verkaufe den Anteil an die NZZ. Alte Hasen im Verlagsgeschäft relativieren aber, solche Geschäfte seien immer langwierig und könnten im letzten Moment anders herauskommen, als es gerade noch schien.

Vier Gründe für die NZZ. Würde man dennoch wetten wollen, dann gilt es zuerst Ross und Reiter zu beobachten und bewerten. Es sind nicht nur die Gerüchte und kleinen Begebenheiten, welche die NZZ zum Favoriten machen.
Es gibt vier Argumente, welche für diese Variante sprechen. Die NZZ, eigentlich die Freie Presse Holding, hat für ihre Regionalzeitungen, das „St. Galler Tagblatt”, die „Neue Luzerner Zeitung” und die „Zürcher Landzeitung”, bisher noch keine gemeinsame Verlagsstrategie entwickelt. Mit einer weiteren Regionalen wäre das interessanter. Und für die BaZ wäre von Vorteil, dass sie an einem Konzept für die Kooperation der Regionalzeitungen mitgestalten könnte.
Zweitens: Der Werberaum Nordwestschweiz ist für die NZZ in Kombination mit Zürich, Innerschweiz und Ostschweiz eine gute Ergänzung – denn Bern ist definitiv Tamedia-Hoheit.
Drittens: Die NZZ hat in Basel, trotz ihrem Namen, das weniger starke „Zürich-Image” als der „Tagi”. Und viertens: Sollte die NZZ dereinst ihr Anzeigengeschäft weg von der Publicitas in Eigenregie nehmen, so könnte sie sich auf wertvolle Vorarbeit der Basler stützen, denn die BaZ hat diesen Schritt schon hinter sich. Schliesslich: Für die NZZ eröffnet die BaZ die interessante Möglichkeit, eine Strategie zu entwickeln, die sowohl den überregionalen Premium-Bereich (NZZ) wie auch die Regionalzeitungen umfasst.
Eine andere Option ist die Tamedia. Mit ihr hat die BaZ mehrere Kooperationen: „Das Magazin”, das „Newsnetz”, der Druck einer Teilauflage von „20 Minuten” und bis vor kurzem auch „News”. Aber die Zusammenarbeit bei „News” wurde zum grossen Ärger der Zürcher von der BaZ abrupt eingestellt. „ Newsnetz” besteht noch, aber ohne wirklich aktive Beteiligung der BaZ. „Das Magazin” ist ein Produkt der Tamedia, welches die BaZ per Vertrag bezieht; die Verteilung in Basel hilft der Tamedia vermutlich, beim „Magazin” schwarze Zahlen zu schreiben. Bleibt noch die Zusammenarbeit im Anzeigengeschäft (Metropool). Alles in allem aber gibt es wenig wirklich überzeugende Argumente auf die Tamedia-Wette.

„Bund”-Modell für Basel? Ebenfalls eher skeptisch macht: Bei der Option Tamedia würde die BaZ vermutlich das neue „Bund”-Modell übernehmen müssen. Auf ein spezifisches neues BaZ-Modell, und das wäre für Basel wichtig, würde sich Tamedia wohl kaum einlassen. Zudem ist Verleger Hagemann Monopolisierungstendenzen eher abgeneigt. Mit dem Kauf der BaZ würde Tamedia definitiv ein Fall für die Wettbewerbskommission, weil das Tamedia-Land nach Thurgau, Bern und der Westschweiz nun auch nach Basel ausgedehnt würde.
Schliesslich die Optionen „Südostschweiz” (Verleger Hanspeter Lebrument) und „Mittellandzeitung” (Verleger Peter Wanner, AZ Medien). Zuerst der Blick nach Chur: Die Basler und die Bündner, die Städter und der Landkanton, die BaZ und die „Südostschweiz”, die Hagemann- und die Lebrument-Strategie: Das macht weder geographisch noch kulturell noch verlegerisch Sinn.
Mit der „Mittelandzeitung” hat die BaZ zwar kürzlich einen redaktionellen Austausch eingeleitet. Der ist aber so angelegt, dass er jederzeit wieder gestoppt werden kann, und er wird explizit nicht als „strategisch” formuliert.
Trotzdem ist die „Option MZ” möglich. Aber ob die Marktgrösse Nordwestschweiz/Mittelland auf Dauer genügend gross wäre? Gut möglich, dass auch ein solcher Zusammenschluss eine Anlehnung an einen noch Grösseren nötig machen würde. Und: Ein harmonisches Paar sind Wanner und Hagemann immer noch nicht.
Gibt es ausländische Mitspieler im Deutschweizer Verlagsmonopoly? Niemand weiss, was passiert, sollte ein grosser ausländischer Verlag in der Schweiz Fuss fassen und ins Geschäft mit Tageszeitungen einsteigen. Springer Schweiz ist schon da, wenn auch im Zeitschriftensegment. Aber was, wenn Ringier einmal an Springer verkaufen sollte? Interessant für einen ausländischen Verlag sind Ringier, Tamedia oder die NZZ. Der Einstieg über eine mittelgrosse Tageszeitung funktioniert nicht.

Starker Minderheitsaktionär. Ein Unsicherheitsfaktor ist schliesslich der Schweizer Markt selbst: Niemand kann voraussagen, wie gross der Leser- und Anzeigenmarkt sein muss, um auch in Zukunft eine Qualitätszeitung finanzieren zu können.
Die grossen Verlage müssen sich also schon jetzt auf spätere Runden im Monopolyspiel vorbereiten. Der nächste Kauf eines Mitbewerbers wird einen Domino-effekt auslösen. Geht zum Beispiel die BaZ – oder die AZ – an die NZZ oder zur Tamedia, dann ist der „andere” zwischen den grossen Blöcken ziemlich isoliert.
Aber findet die BaZ überhaupt einen Käufer, welcher sich mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden gibt? Natürlich nicht, das weiss auch Hagemann. Vermutlich würde der neue Teilhaber mit den 37 Prozent auch ein Vorkaufsrecht auf die Mehrheit des Unternehmens beanspruchen. Und damit wäre die Stellung des neuen Minderheitsaktionärs auch stark, solange die Familie Hagemann die Mehrheit an der BaZ behält.
Die BaZ selbst setzt neben verlegerischen Synergien im Verlag und im Anzeigenverkauf auf ein redaktionelles Kooperationsmodell. Offen ist, mit welchen Zeitungs- und Redaktionskulturen sie sich verbinden will. Und interessant ist, ob es auf einen gemeinsamen Zeitungsmantel, also ein Kopfblattsystem, herauslaufen wird. Oder auf ein Modell mit einer „Basler Zeitung”, die bestimmte Ressorts mit anderen Zeitungen teilt und Texte austauscht, aber weiterhin eine möglichst eigenständige Zeitung produziert.

© EDITO 2009


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