Wie sieht die Zeitung in Zukunft aus? Wird sie noch aus Papier sein? Ist sie ein elektronisches Produkt? Oder wird sie beides in einem sein: Elektronik in Papierform oder Papier in elektronischer Form? Darüber zerbrechen sich nicht nur Verlagsleute den Kopf. Auch die Ingenieure und Maschinenbauer der Druckindustrie stellen sich natürlich diese Frage. Sie bringen, sogar in Krisenzeiten, tolle Innovationen auf den Markt. Die Drucksysteme werden flexibler, die Druckprozesse schneller, die Druckprodukte perfekter. Es besteht also Grund zur Hoffnung, dass die Printbranche selber eine Lösung findet für eine ihrer grössten Herausforderungen.
Dieser Tage lohnt sich zum Beispiel ein Blick nach Berlin. Dort ist ein interessantes Experiment gestartet: die weltweit erste individualisierte Tageszeitung. Sie heisst „niiu”, und die Idee dazu hatten zwei Studenten: Hendrik Tiedemann (27) und Wanja Sören Oberhof (23). Die beiden führen inzwischen ihr eigenes Unternehmen (www.niiu.de). Und sie setzen bei ihrem Vorhaben unter anderem auf Schweizer Technologie.
Das Prinzip von „niiu”: Man abonniert nicht eine einzelne Zeitung mit ihrem vollen Programm, sondern wählt ein auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenes Themen-abonnement aus dem Angebot mehrerer Zeitungen und Websites. Dieses Paket kann man sich auf einer Online-Plattform zusammenstellen und für eine bestimmte Anzahl von Kreditpunkten abonnieren. Alles Übrige erledigt eine ausgefeilte Technologie vollautomatisch über Nacht. Am Morgen liegt die digital gedruckte Zeitung mit den gewünschten Inhalten im Briefkasten.
Ein cleveres System. Es kommt nicht nur den jungen Leute entgegen, die sich mit den unflexiblen und teuren Abonnements der Komplettzeitungen schwertun. Es ermöglicht erstmals auch in einer Zeitung eine sehr zielgruppenspezifische Werbung.
Auch wenn sich die Innovation der beiden jungen Berliner im Markt erst noch behaupten muss: Die Richtung stimmt. Die Zeitung der Zukunft wird individualisiert sein.
Ivo Bachmann www.bachmannmedien.ch
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