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Mitgliederversamlung des Verbandes Schweizer Presse Interlaken: „Wenn hier nicht mehr abgestimmt werden kann, dann sind wir in China”, antwortete Urs Gossweiler, Verleger der „Jungfrau Zeitung”, nachdem Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument einen Antrag aus formellen Gründen nicht zur Abstimmung bringen wollte. Gossweiler durfte dann doch abstimmen, wollte aber nicht mehr. Und Lebrument lernte schnell: Beim nächsten Votum eines Mitglieds fragte er artig, ob das denn nur ein Votum oder erneut ein Antrag sei.

„Ich bin ein gefährlicher Schreiber”, sagt Constantin Seibt („Tages-Anzeiger”) von sich. Wir dürfen ergänzen: Zielsicher ist er obendrein. Den handfesten Tatbeweis lieferte Seibt am diesjährigen Verlegerkongress in Interlaken, wo er spät nachts verzweifelt einen Eingang ins Hotel suchte und deshalb mehrere Handvoll Gartenerde in ein offenes Zimmerfenster warf. Seibt hatte Glück: Er schreckte nicht den Hoteldirektor aus dem Schlaf, sondern Ivo Bachmann (bachmann medien). Das Hotel hatte vergessen, Constantin Seibt auf den Eingangscode hinzuweisen.Wer spricht hier ständig vom Stellenabbau: „Werden Sie Mobile-Reporter!” ruft uns ein Inserat der „Basler Zeitung” zu. „Senden Sie uns Ihre alltäglichen und nicht ganz alltäglichen Beobachtungen per MMS an die Nummer 4488.” Noch grössere Perspektiven eröffnet das Sehrkleingedruckte der Anzeige: Ein BaZ-Mobile-Reporter stellt sein Bild nicht nur für die Basler Online-Plattform zur Verfügung; er darf sich gleichzeitig auf eine Publikation in den Websites von „Tages-Anzeiger”, „Berner Zeitung”, „Bund” und „Thurgauer Zeitung” freuen. Einzig mit den Verdienstmöglichkeiten ist es so eine Sache. Die Übermittlung einer MMS kostet den Mobile-Reporter 70 Rappen. Über ein Honorar ist nichts bekannt.
„Merz hatte keine Garantien von Lybien”: Titel des „Tages-Anzeiger” vom 8. September. „Merz hatte doch Zusagen”: Titel der „Basler Zeitung” am gleichen Tag. Es lebe die Medienvielfalt.

Kennen Sie den schon? „Tamedia schluckt die letzte unabhängige Publikation: Surprise. Weil es die inzwischen grösste Redaktion der Schweiz hat, nämlich alle Journalisten, die durch Kallschlag der Tamedia arbeitslos geworden sind.” Die Verleger haben wirklich Humor: Die Pointe war Teil einer Mediensatire im Abendprogramm am Verlegerkongress.

Der Berner Stapi macht Plakatwerbung für eine Berner Zeitung, nämlich den kleinen „Tagi”, also den „Bund”. Parteiisch ist Alexander Tschäppet damit nicht, weil die Zeitungskonkurrenz in Bern ja dem gleichen Zürcher Konzern gehört. Dafür ist er schlau, weil er sich so die Plakatkampagne für die nächsten Wahlen spart. Gemäss unklaren Quellen zündet die Idee: In Zürich habe sich Mauch bereits beim Tagi (oder der NZZ?) und in Basel der Morin bei der BaZ gemeldet, ob man die nächste Imagekampagne zusammen führen könne. Und Ueli Maurer werde demnächst in einem Spot empfehlen, man solle die SF-Tagesschau vom linksextremen Haldimann schauen. Auch so kann man die Glaubwürdigkeit der Medien aushebeln.

© EDITO 2009


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