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Die Herausforderungen, vor denen der neue SRG-Generaldirektor steht.
Von Philipp Cueni

Der neue Generaldirektor der SRG, Roger de Weck, gilt als gescheiter Kopf, als brillanter Denker und Analytiker. An seinem neuen Arbeitsplatz gibt es eine ganze Reihe von Problemen zu lösen und Entscheide zu treffen. Die Erwartungen an den „Neuen“ sind hoch.
Wie geht Roger de Weck mit dieser Situation um, welche Entscheide trifft er? Und welche Herausforderungen stellen sich ihm überhaupt?

Zuerst wird sich de Weck mit den Finanzen der SRG beschäftigen müssen. Obwohl bisher zurückhaltend, war eine Aussage des zukünftigen SRG-Chefs klar und deutlich: „Das Defizit muss weg.” Bald wird der Bundesrat entscheiden, ob die Finanzlage der SRG durch eine Gebührenerhöhung entlastet wird oder nicht. Danach wird de Weck analysieren müssen, wie gross das strukturelle Defizit der SRG ist. Es wartet also eine knallharte Managementaufgabe. Die Folgerung daraus kann heissen: Abbau respektive Sanierung mit Auswirkungen bei Programm und Personal. Oder aber de Weck entdeckt, dass im 1.5 Milliarden-Haushalt der SRG ein Sparpotenzial von 50 Millionen steckt, ohne dass schmerzhafte Abstriche nötig wären.
Herausforderung Nr. 1: Finanzmanagement.

Die Folgerungen aus der Finanzsituation werden allenfalls Entscheide zur Gesamtstrategie der SRG nötig machen: Welche Grossprojekte (zum Beispiel im Bereich Technik) kann man aufschieben und damit finanziellen Spielraum gewinnen? Auf welche Angebote könnte die SRG überhaupt verzichten?
Herausforderung Nr. 2: Die Eckpfeiler der Gesamtstrategie überprüfen.

Muss das Angebot der SRG überprüft werden, dann muss Roger de Weck bewerten, welche Programmelemente in einem Service public eventuell verzichtbar wären. So oder so, sagt der Verwaltungsrat, sei das Programmangebot strategisch zu überprüfen. Passen aktuelle Angebote nicht mehr zum modernen Service public? Welche zusätzlichen Leistungen braucht es bei den neuen Technologien? Wie kann sich die SRG klarer vom kommerziellen Rundfunk unterscheiden? Wieviel und welche Unterhaltung soll geboten werden, und wie teuer darf der Sport sein? In welche Qualitäten muss mehr investiert werden? Und wie viele Eigenproduktionen sind nötig?
Herausforderung Nr. 3: Die Programmstrategie des Service public überprüfen.

De Weck ist Journalist, er hat selbst Radio und Fernsehen gemacht. Er kennt das Produkt, das die SRG dem Publikum bietet. Er hat eine klare Vorstellung, was Programmqualität im Service public bedeuten sollte. Aber de Weck ist nicht Programmdirektor. Dennoch sind die Erwartungen, intern und extern, sehr hoch, dass der Generaldirektor in den Programmen der SRG etwas bewegt, dass er Leuchttürme für ein Qualitätsprogramm setzt.
Herausforderung Nr. 4: Programmliche Akzente zu setzen, ohne Programmdirektor zu sein.

Im Zusammenhang mit der Finanzierung der SRG ist in letzter Zeit wieder vermehrt in Frage gestellt worden, ob das Tessin drei Radio- und zwei Fernsehketten brauche und ob das Rätoromanische Angebot nicht überdotiert sei. Damit wird ein Grundsatz der „idée suisse” und des Service public in Frage gestellt.
Herausforderung Nr. 5: Die Verteidigung der gleichen Programmversorgung aller Sprachregionen.

Die Nummer zwei in der Generaldirektion, Daniel Eckmann, geht in Pension. De Weck wird also einen wichtigen Personalentscheid zu treffen haben. Und er wird sein Kernteam bestimmen müssen. Er wird jene Skeptiker überzeugen müssen, welche ihm beim „Tages-Anzeiger” und bei der „Zeit” Schwächen in der Personalführung vorgeworfen haben.
Herausforderung Nr. 6: Eine kluge Personalpolitik und eine gute Personalführung.

Die SRG steht massiv unter Beschuss: Es werde zu teuer produziert, es gebe unnötige Programmangebote, das Programm sei zu kommerziell ausgerichtet. Die SRG hat ein Imageproblem. Die Presse kritisiert das Medienhaus massiv. Ob die Kritik berechtigt ist oder nicht, die SRG hat Erklärungsbedarf. Nur über Transparenz und Dialog kann sie bei den anderen Medien und den Verlagshäusern wieder Vertrauen aufbauen. Gegenüber der Politik muss de Weck mit den Frontalangriffen von Rechtsaussen umgehen können. Und er wird alle politischen Kräfte überzeugen müssen, dass ein breiter Service public im Rundfunkbereich für die Schweiz unverzichtbar ist.
Herausforderung Nr. 7: Eine Offensive in der politischen Kommunikation. Das setzt voraus, dass eine breite Debatte über den Service public in Gang gesetzt wird.

Roger de Weck ist gefordert. Und die genannten sieben Herausforderungen sind dabei längst nicht alles: Die Mitarbeitenden hoffen auf eine Aufbruchstimmung, bei der Konvergenz braucht es Klärungen, und als erstes wird er bei der Wahl des Superdirektors in der Deutschschweiz mitsprechen müssen. Die allergrösste Herausforderung an Roger de Weck sind aber die vielen und hohen Erwartungen – die können schnell auch zu Enttäuschungen führen.

© EDITO 2010


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