Für Hans-Peter Rohner, CEO der Publigroupe, ist klar: In Zukunft wird in der Branche nichts mehr sein, wie es war.
EDITO: Analysten prognostizieren Ihrem Umsatzträger Media Sales ein rabenschwarzes 2009 mit einem Verlust von 16 Millionen. Realistisch? Hans-Peter Rohner: Der Betriebsverlust (EBIT) beträgt im ersten ¬Halbjahr 15,6 Millionen und ist die wesentliche Ursache für den Rückgang des Gruppenergebnisses. Wir gehen für das zweite Halbjahr von unverändert schwierigen Marktbedingungen aus. Wir intensivieren aber auch die Massnahmen zur Kostenreduktion.
Und 2010, für den Gesamtkonzern? Eine Rückkehr zu schwarzen Zahlen, eine konsequente Fortführung der Kostenreduktionsmassnahmen bei Media Sales und auf Headquarter-Stufe sowie Investitionen in die Wachstumsbereiche Digital-Marketing-Services und Search&Find.
Die Exklusiverträge mit den Verlagen sind ein Auslaufmodell. Beschleunigt das den Strukturwandel? Dieser wird beschleunigt durch die Konjunktur und durch die Tatsache, dass Werbeeinschaltpreise für Grossinserenten verhandelbar geworden sind. Es geht nicht nur das Volumen zurück, sondern auch der Durchschnittsertrag pro Seite.
Immer mehr Verlage entscheiden sich für die Anzeigen-Eigenregie. Doch was müssen Zeitungsverlage tun, um längerfristig zu überleben? Die Angebotsgestaltung muss noch kundenorientierter werden – und die Verlage wie die Vermarkter kreativer, um auch performance-orientierte Elemente in die Angebotsgestaltung zu integrieren. Heute verkaufen sich klassische Medien fast ausschliesslich auf der CPM-Basis (Anzahl Kontakte zur Zielgruppe), aber ohne Performance-Garantie. Es wird im Print¬bereich weniger Anbieter mit tendenziell grösserem Angebot geben.
Wie verteilt sich der Schweizer Werbekuchen in fünf Jahren? Kommerzielle Kommunikation bleibt langfristig ein Wachstumsmarkt. Marketing-und Werbeausgaben werden vermehrt als Investitionen gesehen. Medien, die performance-orientierte Angebote machen, werden kräftig ¬zulegen. Alle anderen werden zu den Verlierern gehören.
Sie wollen Ihre Beteiligungen an der „BaZ” verkaufen. Wollen Sie sich von allen Verlagsbeteiligungen trennen? Wir suchen im Gespräch mit dem Hauptaktionär eine Lösung für unsere Beteiligung an der Basler Mediengruppe. Alle anderen Beteiligungen stehen zur Zeit nicht zur Disposition.
Interview Bernhard Raos
© EDITO 2009 |