Fernsehen, fast neu erfunden 5. September: An diesem Tag sollten Sie unbedingt Zeit fürs Fernsehen reservieren, auch tagsüber! Der rbb Berlin (ARD) zeigt „24h Berlin” – auch über ARTE. Ein Jahr zuvor, am 5. September 2008, hatten 80 Drehteams in Berlin Material zu etwa 80 Geschichten gesammelt. Es wurden ausgesuchte Protagonisten in ihrem Alltag begleitet oder an einem Ort der Stadt wurde der Tagesverlauf beobachtet. Gedreht worden ist mit hochwertigen HD-Handkameras zwischen 6 Uhr früh und 6 Uhr des folgenden Morgens: In privaten Wohnungen, in Fabriken, Läden, auf der U-Bahn-Station, im Büro, usw. Seit einem Jahr montiert ein Team aus diesem immensen Filmmaterial eine 24-stündige Geschichte. Erzählt wird entlang der Zeitachse von 6 Uhr bis 6 Uhr. Das heisst, die Geschichten werden parallel geschnitten. Die Dokumentation beginnt mit wenigen Protagonisten, von Stunde zu Stunde kommen im Tagesverlauf neue in den Erzählstrang dazu. Gezeigt werden soll der ganz normale Alltag quer durch Berlin, quer durch das ganze Spektrum der Bevölkerung. Das Projekt ist von der privaten Firma zero one film für den rbb entwickelt und realisiert worden. Neben dem eigentlichen Fernsehfilm ist „24h Berlin” als interaktives multimediales Gross¬ereignis konzipiert: Die Bewohner Berlins sind aufgefordert worden, am 5. September selbst Aufnahmen zu machen; diese konnten dann auf eine Website hochgeladen werden. In Talkboxen konnte man mit Statements mitwirken. All diese Aufnahmen werden Teil des digitalen Archivs, in dem das gesamte Drehmaterial des Tages für kommende Generationen hinterlegt wird. Auf dem Netz gibt es über diverse interaktive Tools Möglichkeiten zur Beteiligung. Alle Interessierten können auf einer Plattform die Grundregeln des Filmemachens kennen lernen. Und auf www.24hberlin.tv kann jeder die Entstehung von 24h Berlin miterleben und Teil des Projekts werden. „Mit der 24-stündigen dokumentarischen Erzählung wollen wir die Möglichkeiten des Fernsehens neu denken”, sagen die Hauptproduzenten Volker Heise und Thomas Kufuss. EDITO konnte Ausschnitte aus dem Rohschnitt visionieren. Man nimmt Heise und Kufus das Versprechen ab. (phc) „24h Berlin” am 5. September auf rbb und ARTE. www.24berlin.de
Nyon: Recherche im Dok-Film Starke Blickwinkel. Neuerung beim Dok-Film-Festival „Visions du réell” in Nyon: Das Programm 2009 präsentierte eine Sektion „Investigations”, also „Recherche”. Direktor Jean Perret zu EDITO: „Wir knüpfen damit an die Tradition der grossen Reportage im Fernsehjournalismus an und wollen diese spezifischen Fernsehformen der Recherche und Dokumentation fördern. Es sind Filme zwischen Journalismus und cinéma de création. Es geht dabei um einen Journalismus, welcher sich Zeit nimmt für lange und tiefe Recherchen. Die Filme haben einen journalistischen Touch, es wird nach den klassischen journalistischen Methoden gearbeitet. Uns interessieren auch hier starke Blickwinkel und Engagement und weniger die sogenannte Objektivität. Die Recherche folgt in dieser Sektion aber formal strenger den Regeln des Journalismus.”
Presse gestaltet Demokratie Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik bei der „Süddeutschen Zeitung” in München, hielt an der Jahrestagung des Netzwerk Recherche in Hamburg eine bemerkenswerte Rede zur Aufgabe der Medien angesichts des grossen Abbauwelle. Daraus: „Zeitungen sind systemrelevant. Sie sind systemrelevanter als die HRE-Bank, als die Deutsche und die Dresdner Bank. Sie sind sehr viel systemrelevanter als Opel und Arcandor. (…) Das System, für das sie alle relevant sind, heisst nicht Marktwirtschaft, nicht Finanzsystem und nicht Kapitalismus, sondern Demokratie. Und die Presse in all ihren Erscheinungsformen, gedruckt, gesendet, digitalisiert, ist eine ihrer wichtigsten Gestaltungskräfte.” www.netzwerkrecherche.de
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