Eine internationale Konferenz zum Thema der journalistischen Recherche findet im kommenden April in Genf statt.
Jean-Philippe Ceppi und sein Team um das lockere Netzwerk „SwissInvestigation.net” haben Grosses vor: Etwa 600 Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Welt sollen für vier Tage nach Genf kommen, um über die journalistische Recherche zu diskutieren. Diese Konferenz ist Teil der internationalen Initiative „Investigative Reporters and Editors”, welche seit 2001 bereits fünf solcher Weltkonferenzen organisiert hat. „An den Konferenzen sollen auf einer praktischen und realitätsnahen Basis Berufserfahrung ausgetauscht und Kontakte geknüpft werden. Es sollen Recherche-Arbeiten vorgestellt werden, damit man gegenseitig aus den Erfahrungen lernen kann. Und es sollen aktuelle Recherche-Projekte vorgestellt und allenfalls auch verknüpft werden”, sagt Jean-Philippe Ceppi, welcher seit vielen Jahren als Redaktor bei „Temps présent” von TSR in Genf arbeitet. Im Programm sind in Panels, Ate-liers, runden Tischen und Plenarsitzungen etwa hundert Veranstaltungen vorgesehen. Der Austausch in kleineren Werkstätten steht methodisch im Zentrum: „Wir wollen keine akademischen Vorträge. Es sind Ateliers von Journalisten für Journalisten, der Praxisbezug steht im Mittelpunkt. Untereinander soll ausgetauscht werden, wie man die Recherche aufgebaut hat, wie man an Quellen und Dokumente herangekommen ist, wie man sich einer bestimmten Szene genähert, wie mit der versteckten Kamera gearbeitet hat.” Wer an aktuellen Recherchen arbeitet, kann aus den Kontakten mit Kollegen, welche an ähnlichen Themen arbeiten, profitieren, indem man zum Thema selbst neue Erkenntnisse gewinnt.
Wirtschaftskrise, Kidnapping. Inhaltlich sind Recherche-Ateliers zu allen Themen möglich, die Konferenz setzt aber einige Schwerpunkte. So geht es selbstverständlich um Recherchen im Bereich der Wirtschaftskrise. Dann um solche zum Thema Sport. Als Sitz von internationalen Organisationen wird Genf einen weiteren Schwerpunkt zu Themen rund um diese Organisationen setzen wie zum Beispiel „Menschenrechte” oder „Klima”. Die Konferenz in Genf, sagt Fernsehmann Ceppi, wolle zudem mehr Platz für das Thema der Recherche im Fernsehen einräumen. Auch das Kidnapping-Geschäft oder Themen aus dem Konsumenten-Journalismus könnten diskutiert werden. Und angesichts des Abbaus in den Medienhäusern will man sich besonders mit der Finanzierung und Organisation von Recherchen befassen. Die Konferenzorganisation setzt stark darauf, dass für das Programm auch Themenvorschläge eingegeben werden. Im Herbst wird ein erster Programmentwurf vorliegen. In der Tradition der bisherigen Konferenzen werden zwei Preise vergeben: den „Shining Award”, der an besonders exponierte Investigativjournalisten aus Entwicklungs- und Schwellenländern vergeben wird. Und beim „Daniel Pearl Award” handelt es sich um eine Hommage an den Kollegen, der in Pakistan während seiner journalistischen Tätigkeit brutal enthauptet wurde; der Preis ehrt eine ausserordentliche journalistische Recherche. (EDITO)
Netzwerk Recherche internationalDie Idee, Recherchejournalisten weltweit zu vernetzen, ist aus dem „Arizona Project” entstanden, als eine Gruppe amerikanischer Journalisten entschieden hat, eine Untersuchung eines Kollegen wieder aufzunehmen. Jener Journalist hatte über organisiertes Verbrechen recherchiert und war bei einem Attentat umgekommen. Aus dieser Initiative ist 1975 „Investigative Reporters and Editors” (IRE) entstanden. Seit 2003 ist dieses Netzwerk auch in Europa verankert und hat sich über verschiedene lokale Recherchezentren ausgebreitet. Das Netzwerk verfügt über ein internationales Steuerungskommitee, zu dem auch die Schweizer Sektion (Swiss Investigation) gehört.
GLOBAL INVESTIGATIVE JOURNALISM CONFERENCE Die Konferenz findet vom 22. bis 25. April 2010 in Genf statt.
Informationen unter: www.gijc2010.ch. Recherche-Netzwerk Schweiz: www.swissinvestigation.net/fr/home/
Internationales Netzwerk: Sitz für Europa in Kopenhagen beim „Danish Institute for Computer Assisted Reporting” (www.dicar.org) und Netzwerk für die USA unter „Investigative Reporters and Editors” (www.ire.org).
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