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Von Philipp Cueni

Ingrid Deltenre verlässt das Schweizer Fernsehen. Überraschend ist der Abgang der Direktorin nicht. Man wusste, dass sie Ambitionen auf einen weiteren Karriereschritt hatte, der in der SRG jedoch durch den Entscheid zur Konvergenz-Projektleitung in Frage gestellt war. Und gut unterrichtete Quellen berichten, Deltenre habe bereits vor einiger Zeit ernsthafte Gespräche über einen Managerposten in einem anderen Medienhaus geführt. Doch nicht nur wegen diesem Rücktritt steht der SRG SSR ein grosser Wechsel bevor. In den SRG-Chefetagen dreht sich das Personalkarussell mit Schwung. 2010 soll eine neue Super-Leitung für Radio und TV besetzt werden. Trotzdem ist eben erst ein neuer Radiodirektor für DRS gewählt worden. Neu im Amt ist auch der Direktor von RTR in Chur. Auf Januar 2011 hat der stellvertretende Generaldirektor der SRG, Daniel Eckmann, seine Pensionierung angekündigt. Sein Chef, Generaldirektor Armin Walpen, erreicht Ende 2010 das Pensionierungsalter für SRG-Kader. Und nach acht Jahren Amtszeit ist nicht sicher, ob SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Bernard Münch 2010 erneut kandidieren wird.

Angesichts dieses grossen personellen Umbruchs kommt vor allem der Amtsdauer von Generaldirektor Walpen grosse Bedeutung zu. Soll er im Sinne der Kontinuität verlängern (was natürlich möglich wäre) und alle bevorstehenden, personellen Entscheide wesentlich prägen? Damit würde er die Zusammensetzung des SRG-Kaders auch für die Aera nach Walpen mitbestimmen. Und sollen die anstehenden grossen Themen vom bisherigen Generaldirektor durchgezogen oder einem völlig erneuerten Führungsteam übergeben werden?

Das Programmprofil des öffentlichen Rundfunks, Modelle für eine angemessene Finanzierung, die Konvergenz – diese grossen Themen stehen zur Debatte. Welche Art von SRG SSR soll mit welchem Auftrag, nach welchen Gesichtspunkten und mit welchen Mitteln geführt werden? Diese Fragen beeinflussen auch die Anforderungsprofile für die neu zu besetzenden Kaderpositionen. Die inhaltliche Klärung ist also notwendig, bevor die Namen von bekannten Managern herumgeboten und in Position gebracht werden.

Und Deltenre? Sie wollte die Ära Schellenberg möglichst verdrängen und SF neu und anders prägen. Sie hat vor allem in der Unterhaltung, im Marketing und beim Erscheinungsbild – teils umstrittene – Akzente gesetzt. Sie hat das engagiert getan. Doch zum Profil des Schweizer Fernsehens bleiben wesentliche Fragen offen. Vor allem: Wo und wie stark muss sich das öffentliche Fernsehen vom Privat-TV unterscheiden? Ingrid Deltenre ist nie zu einer „Leutschenbacherin” geworden. Sie blieb eine Managerin auf Durchgangsstation.

© EDITO 2009


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