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„Die alten Parolen haben sich abgenützt.” Daniel Suter, der gerade gekündigte Präsident der Betriebskommission des „Tages-Anzeigers”, reflektiert Sozialpartnerschaft und Massenentlassungen in seinem Haus.
Interview von Rosmarie Gerber

EDITO: Ein Kahlschlag an der Werdstrasse: Ist das ein Lehrstück? Werden ihre Kolleginnen und Kollegen künftig Druck für einen Gesamtarbeitsvertrag machen?
Daniel Suter:
200 Leute wurden zitiert, hatten Angst, und ein Viertel davon wurde entlassen, meist „aus wirtschaftlichen Gründen”. In einigen Fällen wurde die Kündigung mündlich mit individueller Kritik angereichert. Das wird eine nachhaltige Erfahrung sein. Auch die, die bleiben dürfen, wissen: Das nächste Mal kann es mich treffen.

Ist nun künftig Stillhalten oder syndikalistische Radikalisierung angesagt?
Weder noch. Aber als Rückversicherer werden die beiden Berufsverbände zusätzliche Mitglieder gewinnen.

Das heisst, die Beschäftigten des „Tages-Anzeiger” werden massiver auf einen GAV hin arbeiten?
Das wäre ein Wunsch. Aber klar ist, dass die wenigsten Redaktorinnen und Redaktoren einen Begriff haben, was ein Gesamtarbeitsvertrag ist und welchen Nutzen er bringt. Es ist der Versicherungsgedanken, der zählt.

Also haben die Arbeitnehmerverbände ihre Leistungen nicht ausreichend beliebt machen können?
Ideologisches Geschwafel, mit dem Comedia etwa auf den Kauf der Edipresse durch Tamedia reagiert hat, überzeugt im Jahr 2009 nicht.

Der Klassenkampf ist also kein Werbeinstrument?
Der Klassenkampf findet statt. Aber die alten Parolen haben sich abgenützt. Im journalistischen Bereich haben die Gewerkschaften den Kontakt zur Basis verloren.

Aber als Care Team bei den Massenentlassungen der Tamedia haben sich die Gewerkschaften bewährt?
Die Gewerkschaftvertreterinnen haben die Personalkommission „Tages-Anzeiger” gut beraten. Sie haben auch Einzelne zum Personalgespräch begleitet. Die Verbandssekretärinnen sind fachlich und menschlich sehr kompetent .

Sie haben während der Konsultation 73 Fragen an die Betriebsleitung gestellt. Nun liegen die Antworten vor. Können Sie hier ein Fazit ziehen?
Wir haben neun Fragen beantwortet bekommen. Die wichtigste aber nicht: Wie viele Personen entlassen worden sind, erfuhren wir nach Ende der Konsultationsfrist.

Sehr ernst sind Sie demnach nicht genommen worden.
Der minimalste Standard wurde gewahrt. Aber Sie haben recht, sehr ernst wurden wir nicht genommen. In diesem Bereich überprüfen wir noch rechtliche Schritte.

Die Entlassenen werden freigestellt?Nein. Bis zum September, dem Relaunch, muss der „TagesAnzeiger” erscheinen.

*Daniel Suter (59) ist Jurist und seit Februar 1987 Redaktor beim „Tages-Anzeiger”. In den 22 Jahren schrieb er für verschiedene Ressorts, derzeit für das Ressort Stadt Zürich. Seit der Gründung der Personalkommission ist er deren Präsident.

© EDITO 2009


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