AUF BÜROINSPEKTION IN DER MEDIENWELT
In Ihrem Büro hat es Erinnerungen an Russland. Haben Sie Sehnsüchte nach Moskau? Natascha sagte gerne: „Es ist schon Mittag und noch keine einzige Katastrophe. Heute wird es ganz schlimm kommen!” Tatsächlich: nirgendwo auf der Welt habe ich so viel erlebt wie in Moskau. So viel Schönes und so viel Schlimmes. So viel Erhabenes und so viel Kleinmut.
Wie weit ist Ihr Büro für Sie auch persönliche Wohnstube? Mein Büro ist mit jenem Kitsch dekoriert, der zu Hause höchstens als Staubfänger herum stehen würde. Natürlich ist das Büro auch ein Stück Heimat, denn in keinem Raum halte ich mich so lange auf, mal abgesehen vom Schlafzimmer.
Auffallend ist der Koffer. Wie oft müssen Sie für die Sendung ungeplant und überstürzt abreisen? Der Koffer steht nur hier, weil ich zu faul bin, ihn auszuräumen. Ich hoffe immer noch, dass er eines Tages wie von selbst verschwindet.
In letzter Zeit waren Sie unfreiwillig lange auf Reportage im Ausland – weil Sie in Haft genommen wurden. War dies als Journalist der erste Gefängnisaufenthalt? Ich bin immer mal wieder auf irgendwelchen Polizeistationen festgehalten worden. In Afrika, Russland oder dem Nahen Osten. Das gehört irgendwie zum Beruf des Reporters. Es war allerdings das erste Mal, dass ich aufgrund eines Haftbefehls festgenommen wurde und einen längeren Gefängnisaufenthalt zumindest riskierte.
Sie leiten eine Redaktion und realisieren auch Beiträge. Was lieben Sie an diesen zwei Funktionen? Das Schönste daran ist natürlich, dass ich mein eigener Auftraggeber bin. Ein Kollege bezeichnete mich einmal als „Halbleiter”. Halb Manager, halb Filmemacher. Ich betrachte diese Bezeichnung nicht als Vorwurf, denn schliesslich gehört den Halbleitern die Zukunft.
Welche Aufgabe setzt sich eure Sendung? Unter dem Motto „Menschen, Schicksal, Abenteuer” versuchen wir möglichst interessante Geschichten zu erzählen, die zum Denken anregen, den Zuschauer in fremde Welten entführen oder politische Sachverhalte präzise ausleuchten.
In eurer Sendung habt ihr formal und gestalterisch viel Freiraum. Was ist Ihr persönliches Anliegen, wo klebt Ihr Herzblut? Weil man jeden Film auf tausend Arten machen kann, fällt es mir schwer diese Frage zu beantworten. Am Schluss läuft es auf die etwas banale Erkenntnis hinaus: Es muss einfach gut sein.
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