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Der „Tages-Anzeiger” schwimmt gegen den Strom. Er hat keinen Newsroom. Und plant auch keinen. Warum?
Von Indrani Das

Es scheint, als hätten manche Medienhäuser Newsroom oder Newsdesk als Zaubermittel gegen die Krise entdeckt. Nicht so der „Tages-Anzeiger”. Bevor man einen Newsroom einrichte, solle man sich fragen: „Lohnt es sich wirklich?”, sagt Co-Chefredaktor Markus Eisenhut. Er sehe für den „Tages-Anzeiger” keine Notwendigkeit, einen Newsroom oder ein Newsdesk zu realisieren. Wenn die Blattmacher sich kurzschliessen möchten, so hätten sie kurze Wege. Dank einer neuen Wendeltreppe, die zu erklimmen „gut 2,2 Sekunden braucht”, so Markus Eisenhut.
Die Frage laute doch: Was bringt ein Newsroom? Einsparungen redaktioneller Doppelspurigkeiten? Synergien? Eisenhut: „Im Lokalen nutzen wir bereits die Synergien, die sich aus den Online- und Print-Redaktionen ergeben.” Hier arbeiten die Print- und Onlinejournalisten in einem Grossraumbüro zusammen.

Eigene Form gefunden. Doch das alleine sei nicht der Grund, warum der „Tages-Anzeiger” skeptisch gegenüber einem Newsroom sei. Eine Zusammenarbeit zwischen Online und Print erbringe nicht die grossen Synergien, die einen Newsroom rechtfertigen würden. Während Online ein „Realtime-Medium” sei, vertiefe man im Print die Themen. Bevor man nun von beiden Medien grosse Synergien erwarte, solle man sich fragen, wann eine Zusammenarbeit wirklich Sinn mache. „Bei den Olympischen Spielen in Vancouver zum Beispiel”, sagt Markus Eisenhut. In der Online-Ausgabe des „Tages-Anzeiger” kann der Leser den aktuellen Stand der Spiele verfolgen, während er im Print eingeordnet, beleuchtet und bewertet wird.
Immerhin: In der „Tagi”-Redaktion ist auf einem Bildschirm in Realtime ersichtlich, welche Online-Geschichten wie stark gelesen werden. Das kann der Printredaktion bei der Gewichtung der Themen mithelfen.
„Ich bin Pragmatiker”, sagt Eisenhut. „Ich glaube, jedes Medienhaus muss für sich die passende Form der Zusammenarbeit finden.” Der „Tages-Anzeiger” habe seine Form gefunden und brauche kein neues Konzept. Mal abgesehen davon, dass Konkurrenz im eigenen Haus durchaus nicht schade, meint der Chefredaktor: „Ich bezweifle, dass die Qualität einer Zeitung besser wird, wenn ein Journalist verschiedene Plattformen beliefern muss.” Der Newsroom werde „eine Zeitung nicht retten”, sagt Eisenhut. Auch wenn er helfen mag, „ein paar Fränkli einzusparen”.
Im Hause Tamedia könnten sich „Tages-Anzeiger”, „SonntagsZeitung”, „Newsnetz”, „20 Minuten”, Radio 24 und Tele Züri über einen Newsroom vernetzen. „Aber auch bei Tamedia selber winkt man ab. „Aus ökonomischer Sicht würde es auf den ersten Blick vielleicht Sinn machen, einen Newsroom für alle Medien einzurichten”, sagt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer, „aber für unser Haus wäre das die falscheste Entscheidung, die wir treffen könnten.” Bei Tamedia habe die Schärfung der einzelnen Medien-Profile Vorrang. „Jedes Medium muss eine eigene Identität haben”, sagt Zimmer. Eine engere redaktionelle Zusammenarbeit sei deshalb lediglich innerhalb einer Medienfamilie denkbar.

Keine konkreten Pläne. Sicherlich bringe der in den nächsten Jahren geplante Umzug von Radio 24 an die Werdstrasse mit sich, über neue Formen der Zusammenarbeit nachzudenken. Aber momentan denke man bei Tamedia nicht im Geringsten über die Einführung eines Newsrooms nach, so Zimmer. „Wenn unsere Leser zu unseren verschiedenen Titeln greifen, wollen sie sicher nicht das Gleiche lesen.”

Indrani Das ist freie Journalistin in Zürich.

© EDITO 2010


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