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Bereit im Herbst 2008 bezogen die „Berner Zeitung”, TeleBärn und Radio Capital FM einen Newsroom. Das Resultat: eine bessere Zusammenarbeit – mehr nicht.
Von Eva Pfirter

Trotz Newsdesk im gemeinsamen Medienhaus arbeiten TeleBärn, Radio Capital FM und die „Berner Zeitung” (BZ) nach wie vor wenig zusammen. Einmal täglich werden nun statt per Telefon in einer Konferenz am Newsdesk die Tagesprogramme bekannt gegeben. „An einem normalen Tag beschränkt sich die Zusammenarbeit auf kurze Absprachen”, sagt BZ-Chefredaktor Michael Hug. Hin und wieder kündet TeleBärn am Abend eine Geschichte an, die am nächsten Tag in der BZ stehen wird. „Besonders dann, wenn etwas Aussergewöhnliches passiert, fängt die Zusammenarbeit an zu spielen”, sagt Hug.
Zum Beispiel beim Lawinenunglück im Diemtigtal. An diesem Tag sprachen sich die Journalisten von TeleBärn, der Online-Redation und der „Berner Zeitung” sofort ab: Wer geht ins Unglücksgebiet? Brauchen wir einen Helikopter? An so einem Tag profitiert auch die Printausgabe: Sie braucht nicht unbedingt einen Reporter und einen Fotografen zu schicken, sondern bezieht von TeleBärn Informationen und ein Standbild. Am meisten Schnittstellen gebe es jedoch zwischen TeleBärn und bernerzeitung.ch, sagt Hug.

Lärmiges Loch. Diese Zusammenarbeit liegt jedoch kaum am grosszügig konzipierten Newsdesk. Hug sagt: „Es ist in erster Linie sinnvoll, dass wir räumlich zusammen gerückt sind.” Früher waren Radio Capital FM, TeleBärn und die BZ alle in separaten Gebäuden untergebracht. Mit dem Umbau des alten Druckereigebäudes gestaltete man das Haus so, dass es zwischen den Medien durchlässig wurde. Ein „Loch” im kreisrunden Newsdesk, das vom BZ-Stockwerk zu Capital FM und TeleBärn hinunter blicken lässt und eben jene Durchlässigkeit symbolisieren soll, störe aber mehr, als dass es nütze. „Der Lärm von unten ist lästig”, beklagen sich Mitarbeiter. Ein Beamer und Bildschirme über dem Desk zeigten an normalen Abenden etwa die TeleBärn-News, die Tagesschau und „10vor10”.
Die Idee, dass ein Teil der Arbeitsplätze am Newsdesk von Capital FM und TeleBärn genutzt wird, sei nie umgesetzt worden, stellen BZ-Leute fest: „Die Radio- und TV-Journalisten kommen, stellen das Telefon am Arbeitsplatz auf ihr Handy um und gehen.” Es scheint fast, als wäre die Zusammenarbeit von den damaligen Planern auferlegt, spiele aber von selbst nicht wirklich. Michael Hug ist sich bewusst, dass am Newsdesk ganz unterschiedliche (Arbeits-)Kulturen zusammengeführt werden müssen. „In diesem Prozess sind wir aber schon recht weit”, sagt der BZ-Chefredaktor. Restlos zufrieden ist er noch nicht. Immerhin arbeiten am Abend – nebst anderen – die Produzenten der BZ, der Abschlussverantwortliche und die Bildredaktion zusammen am Desk. Die offene Wendeltreppe, die vom gemeinsamen Bereich von Telebärn und Capital FM über die beiden BZ-Stockwerke führt und das „Loch” im Newsdesk seien jedoch „reine Psychologie”. Hug ist sich bewusst, dass die Architektur mehr dekorativ denn effektiv ist: „Nicht der Newsdesk ist Voraussetzung dafür, dass die Zusammenarbeit funktioniert, sondern die Bereitschaft aller Beteiligten.”

Eva Pfirter ist freie Journalistin in Bern.


AUCH SF PLANT NEWSROOMDas Projekt steht noch ganz am Anfang: Auch das Schweizer Fernsehen plant einen Newsroom und zwar für „Tagesschau”, „10vor10”, „Schweiz aktuell” und Online. Man verspricht sich davon eine transparentere Kommunikation zwischen den Redaktionen, eine bessere Ausnutzung des Know-how und Synergien in technischer und logistischer Hinsicht. Aber, betont die SF-Chefredaktion: Es soll weiterhin eine Binnenkonkurrenz zwischen den Redaktionen bestehen bleiben und die Profile der Sendungen sollen nicht verwässert werden. (phc)

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