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Roger Federer wird am Australian-Open für die Haiti-Opfer aktiv und organisiert ein Benefiz-Spiel. Soweit so gut – jeder Rappen zählt, und einem geschenkten Gaul … Alle Medien feiern das Ereignis prominent („Vollerfolg”). Nachgerechnet hat auf den Redaktionen kaum jemand. 200 000 Franken sind zusammengekommen. 15 000 Personen haben sich das Spektakel nicht ent-gehen lassen. Man rechne: Keine 15 Franken liess sich das Publikum das Spektakel kosten. „Die Zuschauer kamen auf ihre Rechnung”, kommentierte der „Tagesschau”-Text vermutlich ungewollt ironisch.

Exklusiv schreiben können über ein exklusives Treffen von Schweizer Top-Managern und Top-Politikern, bei welchem sogar die Teilnehmerliste und die Themen geheim sind. Und es dann doch nicht tun. Frage an Radio Eriwan: Warum schreibt der Noch-Wirtschaftsredaktor Gerhard Schwarz von der NZZ nicht über die Rive-Reine-Tagung, bei der Nestlé jährlich Gastgeber ist und über die bisher kaum Berichte erschienen sind? Gemäss Constantin Seibt („Tagi”) war Schwarz bisher nämlich als einziger Journalist eingeladen.

Musik während den News, Jingles, Stationssignete – ja keine Ruhe am Radio. Emil Lehmann, Urgestein beim „Rendez-vous am Mittag” und Interviewer beim „Tagesgespräch” von SR DRS, hat Mut: Er wartete geduldig auf die Antworten des Schriftstellers Peter Bichsel. Stille am Radioapparat: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12 – eine Radioewigkeit, bis die klugen Worte kamen. Aber ein grossartiges Gespräch.

„Wie sieht der Journalismus der Zukunft aus?”: Darüber referierte der Chefredaktor des „Spiegels”, Mathias Müller von Blumencron. Etwa 100 Journalisten und rund 300 (sic!) Kollegen aus der PR-Branche folgten der Einladung von ZPV (impressum) und ZPRG. Auf dem Podium verteidigte dann Kurt W. „Zimmi” Zimmermann, sonst nicht gerade auf Gewerkschaftskurs, die Interessen der Journalisten: Die Verleger sollten sich über den Textklau bei Google nicht beklagen, wenn sie doch selber begonnen hätten, das Urheberrecht der Journalisten auszuhöhlen.

Ein Besuch besser denn je, das Programm sehr attraktiv. Und trotzdem war Organisatorin Josefa Haas etwas enttäuscht: Niemand wollte sich an der Dreikönigstagung von Medieninstitut und Verlegerverband zum König ausrufen lassen. Die attraktive Beigabe zur Krönung – ein iMac 27 – wurde wieder eingepackt. Möglich, dass niemand Lust hatte, sich als König des Verlegertages mit dem Präsidenten des Verlegerverbandes um Kompetenzen streiten zu müssen.

Selbiger Präsident Hanspeter Lebrument kritisierte in seiner Rede, dass an seiner Verlegertagung regelmässig Bundesräte – Blocher, Maurer – die Medien als schlecht darstellen, und dann erst noch alle (Verleger!) im Saal applaudieren würden. Recht hat er. Vergessen hat er vielleicht, dass er Blocher und Maurer selber eingeladen hatte. Und dass vom Präsidenten selbst keine „relativierenden Worte” zu hören gewesen waren. Ganz im Gegensatz zu seinem Promi-Gastredner an der Verlegertagung in Lausanne: Gerhard Schröder putzte vor seinem eigentlichen Referat seinen Vorredner Blocher mit einer kurzen, intelligenten Bemerkung herunter.

© EDITO 2010


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