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Hinter den neuen Besitzern der „Basler Zeitung” steht ein Geflecht von Medienunternehmen – und viel flexibles Kapital. Entsteht in Basel eine neue Medienmacht?
Von Phlipp Cueni

In ganzseitigen Inseraten feiern sich die neuen BaZ-Besitzer gleich selbst. Man versucht, sich bei den „Bebbis” über Bezüge zu Fasnacht und Fussball anzubiedern – und natürlich über den Anti-Zürcher-Reflex: „Basel – Zürich 3:0” titelte eine Anzeige und nannte die Torschützen: Wagner, Burgener und Tettamanti. Peinlich. Offenbar ticken die BaZ-Werber halt doch nicht ganz so baslerisch.
Für die Mitarbeiter der „Basler Zeitung” ist das im Moment allerdings unwichtig. Für sie ist vorerst einmal die Zeit der Unsicherheit vorbei. Die BaZ soll als selbständige Zeitung weiter bestehen. Und eine weitere Abbaurunde in der Redaktion ist zumindest nicht in Sicht.

Karten neu gemischt. Stimmt es, dass der Deal von Hagemann mit der NZZ erst im letzten Moment geplatzt war, dann war das ursprüngliche Ziel des Verkaufs nicht die Eigenständigkeit und auch nicht die Nicht-Zürcher-Lösung, sondern hätte weiter zur Bildung von grossen Verlagsgruppen beigetragen. Nun jedoch mischt der Verkauf des Basler Medienhauses BZM die Schweizer Verlagszene neu auf. Der NZZ, offenbar Verliererin im Poker um die BaZ, fehlt weiterhin eine zusätzliche Zeitung, um eine vernünftige Strategie für ihre Regionalzeitungen zu entwickeln. Die Aargauer AZ Medien sind immer noch auf der Suche nach einem Partner, nun allerdings mit völlig veränderter Ausgangslage. Vor allem aber: Es gibt in der Schweizer Medienszene eine neue starke Kraft. Nicht die Basler Zeitung Medien BZM macht die Stärke von Wagner und Co. aus, sondern die Verflechtung der neuen Besitzer und Verwaltungsräte Martin Wagner (Verleger und 25 Prozent Aktienkapital), Tito Tettamanti (75 Prozent Aktienkapital) und Bernhard Burgener (Verwaltungsrat).
Wagner sitzt in den Verwaltungsräten mehrerer Medienunternehmen. So bei Radio Basilisk (das er kürzlich der bisherigen BaZ-Besitzerfamilie Hagemann verkauft hat), bei der „Weltwoche”, bei der Holding von „Weltwoche”-Chef Roger Köppel sowie bei Axel Springer Schweiz, welche den „Beobachter„ und die „Bilanz” herausgibt. Wagner zeichnet zudem als Verwaltungsrat der deutschen Constantin Medien AG, bei welcher der neue BZM-Verwaltungsrat Bernhard Burgener Vorstandsvorsitzender und zu 5 Prozent Mitbesitzer ist. Mit 17 Prozent an Constantin Medien beteiligt ist als stärkster Aktionär Leo Kirch, der nach dem Zusammenbruch seines Medienimperiums immer noch im Mediengeschäft mitmischt.
Zur Constantin Medien AG gehören drei Unternehmensbereiche: Sport, Film und Event-Marketing. Das sind unter anderem die Fernsehanstalt DSF, die Produktionsgesellschaft Plazamedia (mit welcher auch SF und tpc zusammenarbeiten), die Highlight Communications und die Con-stantin Film AG, die mit der Übernahme der „Sennentuntschi”-Produktion soeben gross ins Schweizer Filmproduktionsgeschäft eingestiegen ist. Und schliesslich werden unter Constantin Medien auch die Rechte der Fussball Champions League vermarktet.
Kurz und gut: Hinter Wagner und der BZM steht ein starkes Geflecht von Medienunternehmen, welches international und multimedial diversifiziert ist. Und mit Tettamanti hat Wagner einen Financier mit viel flexiblem Kapital als Partner. Unter den schweizerischen Medienunternehmen gibt es damit einen Player mehr. Er kommt nicht aus der Tradition eines Verlagshauses oder gar einer Verlegerfamilie, sondern aus dem Finanzkapital.

Die Probleme bleiben. Die „Basler Zeitung” hat damit zwar mehr Kapital als bisher im Hintergrund, aber sie steht vor den gleichen Herausforderungen wie zuvor: Sie generiert zu wenig Einnahmen, um eine gute Rendite erwirtschaften oder gar die Redaktion ausbauen zu können. Die Region Nordwestschweiz als Leserschaftspotenzial und das Medienunternehmen selbst sind immer noch zu klein, um als starkes Haus auf Dauer eigenständig existieren zu können.
Die BaZ muss deshalb nach redaktionellen Kooperationen mit anderen Verlagen Ausschau halten. Wird sie diese bei den gehänselten Zürcher Medien finden? Eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem „Tages-Anzeiger” oder der NZZ wäre erstaunlich. Bleibt die Option „Mittelland-Zeitung” des AZ-Verlegers Peter Wanner. Vielleicht sind Absprachen mit ihm jetzt einfacher als zu Hagemanns Zeiten. Wanner ist zwischen den Zürcher Verlagen und der BaZ mehr denn je in einer isolierten Sandwich-Position und muss einen Anschluss suchen. Bei einem Zürcher Verlagshaus oder aber bei der „Basler Zeitung”? Und was würde eine enge Kooperation oder gar ein Verkauf an die BaZ für die „Basellandschaftliche Zeitung” bedeuten, welche ja auch zu Wanners Medienverbund gehört?
Die neuen Besitzer der BaZ betonen ihre Eigenständigkeit und wollen die Basler Leserschaft (zurück)gewinnen – appellieren gar an sie, sich vermehrt zu „ihrer” Regionalzeitung zu bekennen. Entscheidend wird die Frage sein, wo die Geldgeber bei der Zeitung neue publizistische Akzente setzen wollen und was sie dafür zu investieren bereit sind.
Die publizistische Ausrichtung der „Basler Zeitung” wird auch davon abhängen, ob die neuen Besitzer mit der BaZ politische Absichten hegen. Darüber lässt sich spekulieren – die verschiedenen Zitate von Wagner und Tettamanti sprechen weder klar dafür, noch dagegen. Man nimmt immerhin zur Kenntnis, dass Neu-Verleger Wagner im Verwaltungsrat der politisch rechts definierten „Weltwoche” sitzt und Tito Tettamanti den „Weltwoche”-Verleger Roger Köppel „einen der besten Journalisten in der Schweiz” nennt. Und Wagner machte deutlich, die BaZ solle eine „wirtschaftsfreundliche” Zeitung sein – was immer das heissen mag.

Redaktion ist gefordert. In dieser Situation spielen BaZ-Chefredaktor Matthias Geering und die Redaktion eine eminent wichtige Rolle. Definieren sie mit ihrer täglichen Arbeit, was guter, unabhängiger und „mutiger” (Tettamanti) Journalismus ist? Oder warten sie ab, wo ihnen die neuen Besitzer inhaltliche Grenzen setzen und sanfte Vorgaben machen?
Wollen die neuen Besitzer die „Basler Zeitung” tatsächlich politisch anders positionieren, ist dies umso schwieriger, je unabhängiger und profilierter der Kurs der Redaktion ist. Gefragt ist also eine BaZ, die sich durch journalistische und nicht durch politische Ansprüche definiert.
An den Macherinnen und Machern der BaZ liegt es, die Leserschaft für einen unabhängigen und kritischen Journalismus zu gewinnen und sie damit zu ihrer Hausmacht gegen allfällige Einmischungen der Besitzer zu machen.


Wagner in exklusivem Kreis
An der Präsentation der neuen BaZ-Besitzer sprach Verleger Martin Wagner viel von Unabhängigkeit ‒ von „kritischem” Journalismus auch. Zum journalistischen Auftrag gehört unbestritten Transparenz herzustellen. Wagner selbst gehört gemäss „NZZ am Sonntag” zum Zürcher (sic!) „Club zum Rennweg“, einem „exklusiven Kreis der Schweizer Wirtschaftselite” (NZZaS), benannt nach dem Clublokal an nobler Adresse gleich bei der Bahnhofstrasse. Die Mitgliederliste der „handverlesenen Gesellschaft” sei geheim. Ein Recherchethema für die BaZ.

© EDITO 2010


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