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Am Schluss der Doku-Soap „Tag und Nacht” von SF hat es tüchtig gescherbelt. Zwanzig Badewannen Fensterglassplitter wurden zusammengetragen – beim Abbau des Studiodekors, in welchem „Tag und Nacht” produziert worden ist. Beim Rückbau der frühzeitig geschlossenen Gemeinschaftspraxis wurde gar ein ISO-zertifiziertes Entsorgungsunternehmen beigezogen, um von den verspachtelten Wänden über die Wattentupfer bis zu den Büroklammern alles korrekt zu trennen und zu recyceln. Hunderte Ster Holz aus den Studiobauten werden nun für die Fernwärme genutzt. „Ein Teil von ‚Tag und Nacht’ lebt weiter”, tröstete der Newsletter des TV-Produktionscenters tpc.

Was haben Elmar Deflorin (SF), Beat Glogger (Wissenschaftsjournalist), René Spescha (Radio Rumantscha), Bernd Merkel und Barbara Stöckli (beide MAZ) gemeinsam? Sie sind in der Band MAZzacker, welche zum MAZ-Jubiläum aufspielte. Der MAZ-Geburtstag war der vermutlich grösste Treffpunkt von JournalistInnen, welchen es in der Schweiz je gab. In den langen Reigen der Gratulanten stellten sich auch die Berufsverbände der JournalistInnen. Eine gute Ausbildung biete Medienschaffenden in schwierigen Zeiten auch Schutz, sagte Sprecher Oliver Kuhn (SSM, „KonsumTV”). Und fügte an: „Eine Klammerbemerkung, die ich gerne an die Verleger im Saal richte: Auch ein GAV bietet Schutz.” Szenenapplaus im Publikum.

Als Raphael Suter einst von der BaZ zu Radio Basilisk wechselte, gab es plötzlich fast keine langen Texte mehr, welche den Basler Filmproduzenten Arthur Cohn abfeierten. Cohn soll sich bei der BaZ darüber mehrmals beschwert haben. Jetzt ist Suter bei der BaZ zurück und alle fragten sich, wann die erste Lobeshymne auf den Oscar-Preisträger erscheint. Man musste nicht lange warten – nur bis zum zweiten Artikel von Suter. Für diesen reiste er trotz Sparmassnahmen bei der BaZ gleich auch nach Hollywood an die Oscarverleihung.Der umtriebige Verleger mit dem grossen publizistischen Herzen, Guido Blumer, musste letztes Jahr sein „Stadtblatt” einstellen. Vom Konzept einer „textlastigen, reflektierenden Sonntagszeitung” für Winterthur ist er weiterhin überzeugt. Jetzt sucht er Teilhaber für einen Neustart. Er macht dies mit einem Inserat – in der „Weltwoche”. Ob sich Tito Tettamanti schon gemeldet hat?Jetzt mischen sich auch Architekten in die Medienpolitik ein: „Das Schweizer Fernsehen ist zu einem Zürcher Lokalfernsehen mit nationaler Verbreitung geworden, Sendungen aus der Restschweiz sind Alibibeiträge. Wir sollten es im nationalen Interesse metropolisieren – nicht regionalisieren.”
Das meint Architekt Jacques Herzog in einem „Tagi”-Interview.

„In dem Moment, wo der Finanzplatz angegriffen wird, müsste man es doch hinkriegen, das ihn unsere Medien verteidigen.” So das Medienverständnis des neuen UBS-CEO Oswald J. Grübel (im TA). Etwas sensibler zeigt sich sein VR-Präsident Kaspar Villiger. Er gehörte dem Verwaltungsrat der NZZ an; nun hat er dort seinen Rücktritt erklärt. Das erinnert an Eric Honegger, der als VR der Swissair und der UBS ebenfalls aus dem Verwaltungsrat der NZZ zurücktrat, um die Glaubwürdigkeit der NZZ nicht zu tangieren.

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