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Ein Kommentar von Philipp Cueni

Erst im dritten Wahlgang hat die Delegiertenversammlung der SRG-Trägerschaft einen neuen Präsidenten des SRG-Verwaltungsrates wählen können. Nach zwei unentschiedenen Runden hat Raymond Loretan mit zwei Stimmen Vorsprung gegenüber Viktor Baumeler gewonnen.

Das ist gelebte Demokratie und das steht auch der SRG-Trägerschaft, die ja auf der Basis der Regionalgesellschaften aufbaut, gut an. Eine Richtungswahl war es nicht, eher eine Personenwahl. Dabei standen die Deutschschweizer Delegierten offenbar fast geschlossen hinter ihrem Regionalpräsidenten Baumeler. Aber wegen dieser knappen Wahl würden in der SRG-DV keine Gräben bestehen bleiben, meinen interne Beobachter.

Viktor Baumeler, der als Regionalpräsident dem nationalen Verwaltungsrat angehört, konnte offenbar den Verwaltungsrat, der Loretan nominierte, und die Delegierten aus den anderen Sprachregionen nicht hinter sich bringen. Dem Verwaltungsrat und seinem Nominierungsausschuss ist mit Loretan aber kein Coup gelungen. Loretan ist als ehemaliger CVP-Zentralsekretär und ehemaliger Diplomat in Bundesbern zwar gut vernetzt, aber bisher nicht unbedingt ein Schwergewicht. Und in der Medienpolitik ist Loretan bisher ein unbeschriebenes Blatt. Aber das kann sich ja ändern.

Ursprünglich war auch Tobias Trevisan, Geschäftsführer bei der Frankfurter FAZ und früher im Management der NZZ, im Gespräch als SRG-Verwaltungsrat. Aus guter Quelle weiss EDITO +KLARTEXT, dass Trevisan am Nominierungsverfahren teilgenommen hat. Als sein Interesse durch eine Indiskretion bekannt geworden war, hat er sich zurückgezogen und gesagt, er sei nie Kandidat gewesen. Mit dieser Indiskretion ist eine Kandidatur eines profilierten Medienexperten bewusst oder zufällig verhindert worden.

Mit Baumeler und Loretan standen sich zwei Kandidaten aus der CVP gegenüber. Das Präsidium wechselt also von einem FDP-Mann, Jean-Bernard Münch, zu einer CVP-Person. Das ist insofern interessant, als die Medienministerin, Doris Leuthard, auch der CVP angehört. Und die CVP wird bei medienpolitischen Abstimmungen zum Dossier SRG in Bern die entscheidende Rolle zwischen Mitte-Links und SVP/FDP spielen.

Am Rande hat die Wahl von Loretan noch weitere Konsequenzen auf die Zusammensetzung des Verwaltungsrates. Die interessante Kandidatin Isabelle Chassot, CVP-Staatsrätin aus Fribourg, war an einem VR-Mandat interessiert, fiel durch die Wahl des CPV-Romands Loretan aber faktisch aus der Kandidatenliste. Als neues VR-Mitglied gewählt wurde die Werberin Regula Fecker. Und: Zwar hat die Parteipolitik im SRG-VR bisher eine sehr kleine Rolle gespielt. Und das ist gut so! Bemerkenswert ist trotzdem, dass die SP mit dem Rücktritt von Elisabeth Veya ihren Sitz im SRG-Führungsgremium verloren hat. Es gab für den freiwerdenden VR-Sitz von Veya nicht einmal eine Bewerbung aus SP-Kreisen. Zwar hat VR-Mitglied Ulrich Gygi auch ein SP-Parteibuch. Als vom Bundesrat direkt gewähltes Mitglied ist er im Verwaltungsrat eher dem Bundesrat als der SP verpflichtet.

© EDITO+KLARTEXT 2011 / Online 23.9.11


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