Die Lega dei Ticinesi beschimpft einen RSI-Journalisten auf übelste Weise. Erstmals ergreift nun die SRG Massnahmen zur Verteidigung eines Mitarbeiters vor solchen Lega-Angriffen. Von Gerhard Lob
Die rechtspopulistische Lega dei Ticinesi ist bekannt für ihre Kritik am öffentlich-rechtlichen Radio und Fernsehen. Praktisch wöchentlich knöpft sich Lega-Boss Giuliano Bignasca in der Sonntagszeitung das italienischsprachige Radio und Fernsehen (RSI) beziehungsweise einen ihrer Exponenten vor. Für ihn handelt es sich bei der RSI (in den Lega-Zeitungen R$I) um einen von Linken gesteuerten Staatssender, in dem sich eine Horde hochbezahlter und fauler Journalisten tummelt.
An diese Attacken hatte man sich gewohnt. Doch nun sind bei der Lega alle Dämme gebrochen. Auslöser war der Tod des langjährigen Lega-Grossrats Rodolfo Pantani am 25.November. Er verstarb am Morgen dieses Tages im Alter von 71 Jahren in der Herzklinik von Lugano. In den Radio-Regionalnachrichten am Mittag würdigte RSI-Journalist Renato Minoli den Verstorbenen, der zu den Legisten der ersten Stunde im Tessin gehörte.
In dieser Würdigung unterstrich Minoli zu Recht die kontroversen Seiten dieser Persönlichkeit. Denn Pantani war ein umstrittener Politiker, der häufig ausfällig und deshalb sogar einmal aus dem Saal des Grossen Rates verwiesen wurde.
Obwohl an den Tatsachen dieser Darstellung keine Zweifel bestehen, empfand die Lega diese Würdigung als pietätlos und respektlos, insbesondere gegenüber der Trauerfamilie. Dieser Tod wäre nur ein Vorwand für Minoli gewesen, um seine Giftpfeile gegen die Lega abzuschiessen.
Wäre es bei dieser Kritik geblieben, wäre dies noch tolerierbar gewesen. Doch die Lega-Gratiszeitung „10 minuti“ und mattinonline.ch legten nach und lancierten eine regelrechte Hetzkampagne gegen Minoli, die in der Geschichte des Kantons Tessin ihresgleichen sucht. In einem Artikel wurde er Dutzende Mal als Wurm (verme) und Schwachkopf (imbecille) bezeichnet, der beim Radio als Lakaie für die Steuerpartei SP arbeite.
Minoli entschied, Strafanzeige gegen Giuliano Bignasca einzureichen. Und erstmals verwahrte sich auch die Direktion RSI in einer öffentlichen Stellungnahme sehr entschieden gegen die Verunglimpfung und Einschüchterung der eigenen Mitarbeiter und insbesondere von Renato Minoli. „Dies hat nichts mehr mit dem Recht auf Kritik zu tun“, schrieb RSI in einer Medienmitteilung vom 29.November. Die Journalistenverbände SSM, Impressum und Syndicom begrüssten einen Tag später diese Erklärung, verlangten aber noch mehr konkreten Taten zum Schutz der Mitarbeiter.
Diese kam am 2.Dezember von der RSI-Regionalgenossenschaft Corsi. Man sicherte der RSI Unterstützung bei all rechtlichen Schritten zum Schutz der Mitarbeiter zu. Neben einer Strafanzeige soll nun auch zivilrechtlich gegen die Lega vorgegangen werden, weil sie durch ihre Aktionen das öffentliche Ansehen der RSI schädigt. Dieser Schulterschluss zwischen Direktion und Corsi gegen die plumpen Lega-Attacken hat eine neue Qualität.
Die Affäre ist alles andere als beendet und im „Mattino“ sind neue Artikel gegen Renato Minoli erschienen. Einen korrekten Weg der Kritik haben indes die beiden künftigen (ab Januar 2012) Lega-Vertreter in der Corsi, Michele Foletti und Paolo Sanvido, eingeschlagen: Sie haben eine Beschwerde beim RSI- Ombudsman gegen den umstrittenen Minoli-Beitrag eingereicht. Über die Beschwerde wird erst nach den Weihnachtsferien entschieden.
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