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Böse Reaktionen auf „Deutsche Seite“

Das „Tagblatt der Stadt Zürich“ hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich. Auf diese Geschichte hat der wöchentlich erscheinende Zürcher Anzeiger, der auch Amtsblatt der Stadt ist, im Mai quasi Bezug genommen: Nachdem es schon früher, als Migranten aus Italien die grösste Auslandgemeinde in Zürich stellten, eine „Pagina Italiana“ im „Tagblatt“ gab, hat die heute grösste Auslandgemeinde in Zürich eine eigene Seite im Blatt erhalten – die Deutschen.
„Es gab nie negative Reaktionen auf die „Pagina Italiana“, sie wurde als etwas Sympathisches wahrgenommen“, sagt Markus Hegglin, geschäftsführender „Tagblatt“-Chefredaktor: „Das ist bei der „Deutschen Seite“ ganz anders.“ Hegglin hat „Die deutsche Seite“ eingeführt, weil die Deutschen als grösster ausländischer Bevölkerungsteil von Zürich auch viele potenzielle „Tagblatt“-Lesende stellen, aber auch, „weil wir die Diskussion zwischen Deutschen und Zürich fördern und eine gewisse Entspannung in der Beziehung zwischen Schweizern und Deutschen erreichen wollen“.
Zwei freischaffende deutsche Journalistinnen sind für „Die deutsche Seite“ zuständig, die Idee ist, so Hegglin, dass dort der Alltag der Deutschen in Zürich dargestellt wird, „damit sie sehen, dass sie mit ihren Erfahrungen und Problemen nicht allein sind“. Gleichzeitig soll die Schweizer Bevölkerung dort darüber lesen können, wie die Deutschen in Zürich leben und arbeiten.
Das kommt – obwohl „Die deutsche Seite“ sich sehr zurückhaltend und vermittelnd gibt – bei der Schweizer Bevölkerung nicht gut an: „Wir haben mehrheitlich negative Reaktionen, es gab auch anonyme Drohungen“, erzählt Hegglin. Bereits vor dem Start der Seite, als der „Tages-Anzeiger“ über das Vorhaben berichtete, habe es solche Reaktionen gegeben, sogar Anrufe von Leuten aus den Kantonen Bern und Aargau, ausserhalb des „Tagblatt“-Erscheinungsgebiets also, die die „Tagblatt“-Redaktion im Sinne von „Wehret den Anfängen“ gewarnt hätten.
„Auch jetzt sind die Reaktionen nach wie vor meistens negativ, im Stil von „die Deutschen sind frech, arrogant und nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg – und für die macht ihr eine Seite!““, konstatiert Hegglin. „Was mich irritiert, ist, wie stark antideutsche Ressentiments auch in Journalisten- und generell akademischen Kreisen verbreitet sind.“

Bettina Büsser

© EDITO+KLARTEXT 2011


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