kulturtipp: Ein neuer Redaktionsleiter und (wieder) ein neues Konzept. Von Christof Wamister
Rolf Hürzeler, bisher Redaktionsleiter der Konsumentenzeitschrift „saldo“, ist seit Jahresbeginn neuer Chef der Programmzeitschrift „kulturtipp“, die wie „saldo“ zum Verlag Konsumenteninfo gehört. Die bisherige Redaktionsleiterin Claudine Gaibrois verabschiedete sich von ihren Leserinnen und Lesern ohne weitere Begründung. Wie von „kulturtipp“ zu erfahren war, tritt sie eine Assistentenstelle an der Hochschule St. Gallen an und will eine Dissertation abschliessen. Mit dem neuen Redaktionsleiter kommt auch ein neuer Auftritt von „kulturtipp“. Der redaktionelle Teil zum Kulturleben erscheint jetzt in einem gesonderten Heft. In einem zweiten, dickeren Heft werden die Radio- und Fernsehprogramme publiziert, eingeleitet aber auch durch redaktionelle Beiträge. (Inzwischen wurde das Konzept bereits wieder geändert: beide Teile sind in einem Heft vereint.) Der Fernsehteil wurde erweitert und damit dem „veränderten Medienverhalten“ angepasst, wie Rolf Hürzeler erklärt. Informiert wird jetzt nicht über die Programme von 3sat und arte, sondern auch über SF1, ARD, ARD Festival, ZDF, ZDF Kultur und ZDF info – alles öffentlich-rechtliche Sender mit einem gewissen kulturellen Anspruch. Der Bildanteil auf dieser TV-Doppelseite wirkt allerdings bescheiden und die Programme werden mit geringem Gestaltungsaufwand abgedruckt. Eine neue Seite mehr Fernsehen bedeutet allerdings auch eine Seite weniger Radio. So wurden BR Klassik und DR Kultur auf eine halbe Spalte reduziert. Radio Swiss Classic mit seinem computergenerierten Programm aus Klassik-Schnipseln wurde praktisch gestrichen. In der ersten Ausgabe im neuen Jahr wurden „Highlihts“ von swiss classic in den Weissraum der DRS 2-Spalten gestellt. Gegen diese Abschaffung habe es aber Leserproteste gegeben, sagt Rolf Hürzeler, weshalb Swiss Classic wieder ausführlicher ins Programmheft kommt. „kulturtipp“ verfüge über eine konservative, aber gebildete und aktive Leserschaft, die auf jede Veränderung mit Mails oder Telefonen reagiere. Laut Hürzeler ist das neue Konzept mit der Zweiteilung aber gut angekommen. „kulturtipp“, das ehemalige „Radiomagazin“, an dem die SRG bis vor sechs Jahren noch beteiligt war, ist laut Hürzeler keine gewinnbringende Sache. Der Verlag verdient mit seinen Konsumentenzeitschriften aber genügend Geld, um die einzige Kultur-Programmzeitschrift der Schweiz (beglaubigte Auflage 17385) weiterzuführen. Die kritische Leserschaft weiss es zu schätzen.
|