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Das neue Zeitungsprojekt in Basel. Ein Interview.

In Basel wird eine neue Zeitung vorbereitet, erscheinen soll sie im Herbst. (Siehe Artikel in EDITO +KLARTEXT). Bekannt sind die Geldgeber, die Redaktionsleitung und dass es eine Kombination aus täglicher Online-Zeitung und gedruckter Wochenzeitung sein wird.
Mehr über das Konzept der neuen Zeitung im Gespräch mit Remo Leupin, dem designierten Co-Redaktionsleiter der neuen Zeitung.

EDITO +KLARTEXT: Das neue Zeitungsprojekt in Basel ist auch eine Reaktion auf unzufriedene BaZ-Leser. Was will die neue Zeitung den Lesern denn bieten?
Remo Leupin:
Wir planen keine «Anti-BaZ» – und auch keine «Anti-BZ» (Basellandschaftliche Zeitung). Unser Projekt hebt sich in Konzeption und Form deutlich von bereits bestehenden Medien ab. Wir erscheinen täglich online, und einmal pro Woche mit einer Printausgabe.

Und was sollen die Leser erwarten können – das übliche Programm einer Regionalzeitung?
Ein tägliches Vollprogramm, das sämtliche Themen mit Eigenleistungen abdeckt, liegt angesichts des Personalbestands von rund 30 Redaktorinnen und Redaktoren nicht drin. Wir werden unsere Kräfte bündeln: Schwerpunkte setzen, Hintergrund und Einordnung bieten. Wir werden uns in unseren Geschichten auf jene Themen fokussieren, welche die Leute in der Region Nordwestschweiz beschäftigen. Und wir wollen diese Geschichten anders, spannender erzählen – sowohl täglich online, als auch einmal wöchentlich in der gedruckten Ausgabe. Dabei werden wir die gegenwärtigen medialen Umbrüche in unsere Arbeit miteinbeziehen. Internet und mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets haben die «Verkehrsregeln» in der Medienwelt verändert: aus einem monologischen ist ein dialogisches System geworden.

Das heisst, der Leser ist auf andere Medien angewiesen, wenn er informiert sein will?
Das ist doch schon heute Realität. Die meisten Leute greifen täglich auf verschiedene Quellen zurück, um sich zu informieren. Das ist – neben dem Erfolg der Gratisblätter – ja auch mit ein Grund, weshalb die Auflagen der klassischen gedruckten Kauftageszeitungen zurückgehen. Unser Projekt knüpft da an, wo die Entwicklung der Medien und des Medienkonsums heute stehen: dem vermehrten Konsum von Informationen über Computer, Handys und Tablets, der starken Zunahme bei der Nutzung sozialer Medien und Netzwerke – aber auch dem Bedürfnis nach hochwertigem und vertiefendem Journalismus in gedruckter Form. Letzteres werden wir mit der Wochenzeitung bieten.

Ist der Konsument, ist die Leserin denn über die Region Nordwestschweiz informiert, wenn er eure neue Zeitung liest?
Ganz sicher. Wir bringen jeden Tag nebst internationalen und nationalen auch regionale News online – und die wichtigsten Ereignisse der Woche werden in der Wochenzeitung vertieft behandelt. Um das mit unserem kleinen Team tun zu können, werden wir uns aber den Luxus leisten, nicht jede Pressekonferenz und nicht jeden Medientermin zu besuchen. Es wird aber online einen umfassenden Newsteppich geben, den wir zum Beispiel von einer Agentur beziehen.

Täglich im Netz, einmal pro Woche die Wochenzeitung – zielen Sie auf zwei Publika?
Überhaupt nicht. Aber es ist natürlich möglich, dass jemand nur das eine Angebot nutzt. Wir gehen aber davon aus, dass sich immer mehr Leute auch online, via Smartphones und andere mobile Endgeräte informieren. Und wir haben den Anspruch, beide Medienformen – digital und Print – auf eine innovative Weise zu verknüpfen.

Und wie denn?
Wir werden Themen, die im Netz auf grosses Interesse stossen, in der Wochenzeitung aufnehmen, vertiefen, einordnen. Umgekehrt werden Geschichten aus der Wochenzeitung online weitergezogen und zur Debatte gestellt. Vor allem aber ist es uns wichtig, den üblichen journalistischen Einbahnverkehr zwischen Journalist zum Leser aufzubrechen. Wir werden versuchen, die Leute aus der Region in unsere journalistische Arbeit einbeziehen – indem wir online Foren, Blogs und «Bürgertools» anbieten. Für unsere Redaktion wird der Dialog mit der Leserschaft eine wichtige Grundlage sein, um zu Storys zu kommen und diese zu vertiefen. Wir wollen einen seriösen Ort für die Vernetzung von Informationen, Inputs, Meinungen und Debatten sein – und so auch vom Wissen unser Leserinnen und Leser profitieren. Die Leser sollen sich aber auch unter sich vernetzen können. Aber das Ganze bleibt natürlich ein journalistisches Projekt: Alle Inhalte werden geprüft, moderiert und professionell aufbereitet. Wir werden hochstehenden Journalismus betreiben.

Wie sieht die Wochenzeitung aus?
Derzeit werden diverse Formate geprüft, die sich von herkömmlichen Tages- oder Wochenzeitungsformaten unterscheiden. Das Blatt wird zwischen 48 und 72 Seiten stark sein. Die Geschichten sollen magazinartig, hochwertig umgesetzt werden, und das Blatt soll optische Überraschungen bieten. Gute Bilder werden eine ganz wichtige Rolle spielen, und wir halten sehr viel von gut gemachten Infografiken.

Wird die neue Wochenzeitung in Basel eine Lokalzeitung sein?
Nein. Basel ist eine Stadt mit nationalen und internationalen Bezügen. Wir wollen jene Themen spielen, welche die Leute in der ganzen Region Nordwestschweiz beschäftigen. Und wir werden über den Tellerrand hinausschauen: Ereignisse von nationaler oder internationaler Bedeutung wie zum Beispiel die Katastrophe von Fukushima, welche die Leute sehr beschäftigen, werden wir ganz gross bringen – wenn möglich aber mit einem Fokus auf die Region.

Wie läuft die Stellenbesetzung?
Es bewerben sich täglich gute Journalistinnen und Journalisten. Zunächst aber wird ein Projektteam die Feinkonzeption ausarbeiten. Erst dann wird es möglich sein, Stellenprofile zu erarbeiten und Redaktorinnen und Redaktoren anzustellen. Gesucht werden Journalistinnen und Journalisten, welche die Region kennen oder sie kennenlernen wollen – und auch über den regionalen Tellerrand hinausschauen können. Und sie müssen beide mediale Formen, tägliches Internet und die Wochenzeitung, bespielen können und wollen.

Remo Leupin ist designierter Co-Redaktionsleiter der neuen Zeitung in Basel.
Interview: Philipp Cueni


© EDITO+KLARTEXT 2011



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