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Kommentar von Philipp Cueni

SRF hat die Teilnehmer an der Schweizerischen Ausscheidung für den Eurovision Song Contest ESC aufgefordert, auf einen Protest-Pin bei ihrem Auftritt zu verzichten. Amnesty hatte die Musiker aufgefordert, mit diesem Pin auf die Menschenrechtslage in Aserbaidschan hinzuweisen, wo der nächste Final des ESC stattfinden wird.

Die Haltung von SRF ist peinlich und unwürdig. Und die Begründung dazu erst recht: Die Teilnehmer des ESC sollen sich doch erst ein Urteil über das Gastgeberland nach dem Besuch in Baku bilden. Und SRF würde auch eine Busse des Bundesamts für Kommunikation riskieren, wenn Bilder von Zuschauern mit dem Button gesendet würden.

Das ist mit Verlaub gesagt Blödsinn: Erstens würde das BAKOM so jeden Bericht über eine politische Kundgebung oder – zum Beispiel - einen Kameraschwenk über ein Festivalpublikum mit „No war“-Transparenten sanktionieren müssen. Zweitens ist es gerade für ein Medienunternehmen unangebracht zu sagen, macht euch doch zuerst ein eigenes Bild vor Ort, bevor ihr euch eine Meinung bildet. Das heisst ja soviel wie: Sich eine Meinung zur Menschenrechtslage in Aserbaidschan (oder sonstwo) lediglich über die Medien zu machen sei unseriös.

Schliesslich geht es bei den Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan auch um die Meinungsäusserungsfreiheit. Und explizit auch um Pressefreiheit (Aserbeidschan ist im Reporter ohne Grenzen-Index an 152. Stelle).

Auf die Meinungsäusserungsfreiheit bezieht sich die Programmcharta der SRG explizit. Niemand verlangte von SRF, dass das Medienunternehmen politisch zu Aserbaidschan Stellung nimmt, nicht einmal zur Frage der Pressefreiheit. Es ging ja lediglich um einen klitzekleinen Protestpin einiger Sänger-innen bei der ESC-Ausscheidung in Kreuzlingen. Hallo SRF, bitte nachdenken.

9.12.11 / © EDITO+KLARTEXT


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